Zigaretten und Umwelt

Warum Kippenstummel eigentlich Sondermüll sind

Kippen verursachen weltweit sehr viel Müll – auch giftigen: In Frankreich macht eine Supermarktkette dagegen mobil, mit Einsammeln und Recycling. Unser Reporter hat sich das Kippenproblem genauer angesehen.

Die Supermarktkette Franprix will verhindern, dass Zigarettenstummel in Zukunft auf dem Bürgersteig landen. Sie will den Eingangsbereich von 350 ihrer Filialen in Paris mit Aschenbechern ausstatten. Und das mit gutem Grund: Allein in Paris bleiben pro Jahr rund 350 Tonnen Zigarettenstummel auf Straßen und Bürgersteigen liegen, berichtet unser Reporter Sebastian Rams. 

Die Supermarktkette will die Kippen nicht nur sammeln, sondern Teile der Kippenreste zu Kunststoff recyceln. Das geht, weil der Rest der Kippe fast nur aus dem Filter besteht. So ein Filter ist in der Regel aus Celluloseacetat - das ist ein Biokunststoff aus dem tatsächlich Kunststoffpellets hergestellt werden können. Und daraus, so Sebastian Rams, können dann wieder Parkbänke oder Mülleimer werden.

Viele verschiedene Umweltgifte

Für die Umwelt ist Celluloseacetat ein ziemlicher Problemstoff - es dauert mehr als zehn Jahre, bis er sich zersetzt hat. Die im Filter sitzenden Giftstoffe – zwischen 4000 und 7000 verschiedene – werden durch den Zersetzungsprozess freigesetzt und abgegeben.

Laut einer WHO-Studie zu Tabak und seinen Umweltfolgen von 2017 sind unter den Giftstoffen eine Reihe toxischer und krebserregender Stoffe: Nikotin, Arsen, Blei, Kupfer, Chrom und Cadmium. 

Zigarettenstummel sind Sondermüll

Die WHO hat Zigarettenstummel zu Sondermüll erklärt. Im Schnitt werden täglich weltweit 15 Milliarden Zigaretten verkauft. Im Jahr sind das rund 5,5 Billionen Zigaretten.

Schätzungsweise zwei Drittel davon oder mehr landen in der Umwelt. Damit machen Zigarettenstummel 30 bis 40 Prozent des gesamten Abfalls aus, der in Städten und Küsten aufgesammelt und entfernt werden muss.

Insgesamt verursacht Rauchen weltweit rund zwei Millionen Tonnen Papier, Metallfolie, Zellophan und Klebstoff aus Verpackungen und zwischen 340 und 680 Millionen Kilogramm Zigarettenstummel.

"Zigaretten rauchen und den Stummel dann einfach wegwerfen kommt mir nach der Recherche heute wie die größte Umweltsünde überhaupt vor."
Sebastian Rams, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

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