Pneumologe zum Rauchverbot

Nicht weniger Raucher, aber weniger gerauchte Zigaretten

In Österreich gibt es gerade ziemlich dicke Luft: Eigentlich hatte die alte Regierung ein eingeschränktes Rauchverbot beschlossen. Dann kam die rechtskonservative Regierung aus ÖVP und FPÖ, die das alles kippen will. Eine weitere Initiative sammelt gerade Unterschriften für ein generelles Rauchverbot. Vielleicht können die Österreicher von uns lernen? Pascal Fischer hat sich eine Studie angeschaut, die untersucht, wie sich das Rauchverhalten seit der Einführung des Rauchverbots 2013 verändert hat.

Für die Studie ist der Pneumologe Jan Brünsing zusammen mit Medizinstudenten durch Kölner Kneipen gelaufen, um das Rauchverhalten der Nachtschwärmer zu studieren. Ein zentrales Ergebnis der Studie: Es gibt weniger Raucher seit Einführung des Rauchverbots, allerdings nur minimal. 

Weniger Zigarattenkonsum seit Start des Nichtraucherschutzes

Der Wissenschaftler vermutet, dass niemand allein wegen des Rauchverbots aufgehört habe zu rauchen. Wobei das natürlich auch nie das Ziel des Gesetzes war. Das Rauchen in Kneipen und Gaststätten wurde vor allem deswegen verboten, um Nichtraucher und die Bedienung hinterm Tresen während der Arbeit zu schützen.

"Interessant ist, dass die Menge der Zigaretten bei den Rauchern abgenommen hat. Wir hatten früher über 60 Prozent, die mehr als 20 Zigaretten am Tag geraucht haben. Mittlerweile sind es nur noch 40 Prozent.“
Jan Brünsing, Pneumologe an der Kölner Lungenklinik

Tatsächlich rauchen die Menschen durch das Rauchverbot insgesamt weniger. Ein erfreulicher Nebeneffekt, meint Jan Brünsing. Er sagt, die Menge der Zigaretten habe abgenommen. Früher habe es mehr Menschen gegeben, die 20 Zigaretten und mehr pro Tag geraucht hätten.

Lieber Qualm als Schweiß

Jan Brünsing und seine Mitarbeiter haben sich auch bei Rauchern und Nichtrauchern danach erkundigt, wie sie es denn heute bewerten, dass in der Kneipe nicht mehr geraucht werden darf. Die Antworten dazu fallen unterschiedlich aus. Vor allem Raucher finden den Abend in der Bar ungemütlicher als vorher. Oft kommt auch das Argument, dass nun andere Gerüche stören, die früher vom Qualm übertüncht wurden, zum Beispiel der Schweiß, wenn getanzt wird.

"Also die aktiven Raucher haben tatsächlich gesagt, dass der Kneipenbesuch ohne Rauch ungemütlicher ist als vorher. Die haben auch gesagt, dass tatsächlich die Gerüche stören, und zwar signifikant."
Jan Brünsing, Pneumologe an der Kölner Lungenklinik

Quarzen vor der Tür

Ein weiterer Minuspunkt, den auch Nichtraucher sehen, ist, dass die Raucher jetzt für jede Zigarette vor die Tür gehen müssen. Jan Brünsing hat von den Befragten gehört, dass es ein Problem sei, wenn man sich mit ein paar Freunden zum Bier und zum Quatschen verabreden wolle: "Wenn dann ständig immer ein, zwei, drei Leute vom Tisch weg sind, dann ist es kein gemeinsamer Kneipenabend mehr. Und das ist der Punkt, wo manche dann sagen: Es wäre eigentlich ganz schön, wenn wir uns alle hier hinsetzen, unsere ein bis zehn Bier trinken, aber nicht ständig rauslaufen."

Hintergrund der Studie

Der Pneumologe ist für seine Studie nicht nur zwei Wochen lang zusammen mit Studenten durch Biergärten und Kneipen getingelt, er hat auch einen Online-Fragebogen entwickelt. Insgesamt konnten 1317 Fragebögen ausgewertet werden – mit Bezug auf 26 unterschiedliche Bars. 

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