Die Bestandteile für ihr Nest suchen sich Vögel aus der Umwelt. Da liegt aber immer mehr Müll. Unser Müll. Und den nutzen Vögel vermehrt zum Nestbau. Das ist selten gut.

Vor allem bei Seevögeln können wir in letzter Zeit häufiger beobachten, dass sie Plastikteile in ihren Nestern verbauen. Auf dem sogenannten Lummenfelsen auf Helogland brüten Basstölpel und Trottellummen auf steilen Felsen. Für ihre Nester suchen sie sich normalerweise lange Algen, die auf der Meeresoberfläche treiben. Da dort aber auch Plastik herumschwimmt, nutzen die Vögel auch das - vorwiegend picken sie sich Polyethylenfasern aus alten Fischernetzen.

"Forscher haben herausgefunden, dass mittlerweile zehn Prozent der Nester am Lummenfelsen aus Plastik bestehen."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Ein Zehntel der Nester dort besteht laut Wissenschaftlern mittlerweile aus Plastik, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig. Ob die Tiere diese Polyethylenfasern mit Algen verwechseln oder ob sie das Plastik einfach als weiteren Baustoff für sich entdeckt haben, hat die Wissenschaft noch nicht herausgefunden, sagt er.

Plastik ist für Vögel gefährlich

Das Plastik kann für Vögel leider lebensgefährlich werden. Sie können sich in den Fäden verfangen und verhungern, weil sie es nicht schaffen, die Fäden mit dem Schnabel durchzubeißen. Teilweise werden sie auch regelrecht erwürgt.

Und das Plastik ist noch in anderer Weise verhängnisvoll. Das sehen wir bei Landvögeln: Störche sind in letzter Zeit immer mehr dazu übergegangen, Plastikfolien und Netze von Silageballen (Futterballen) in ihre Nester einzubauen. Da sich dadurch aber das Wasser bei Regen in den Nestern staut - also nicht gut abfließen kann - erfrieren oder ertrinken die Küken. 

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Zivilationsmüll in Vogelnestern kann auch Vorteile haben

Es gibt einige Ausnahmen, in denen sich auch Vorteile in der Verwertung unseres Mülls in Vogelnestern erkennen lassen. In Mexiko City haben Forscher Nester von Spatzen und Gimpeln untersucht, die mit zerrupften Zigarettenstummeln ausgekleidet waren. Im Schnitt waren da acht bis zehn Zigaretten drin verbaut. Da denkt man zunächst: Das muss wegen des Nikotins und all der anderen Giftstoffe doch schädlich sein!

Ist es auch - aber die Gifte halten zusätzlich Parasiten wie Milben fern, die sonst dem Nachwuchs gefährlich werden können, sagt Mario Ludwig.  

"Je mehr Zigarettenkippen im Nest waren, desto weniger Parasiten waren dort zu finden."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Ein weiteres positives Beispiel für die Verwendung von Zivilationsmüll in Vogelnestern finden wir bei australischen Seidenlaubenvögeln. Die Männchen schmücken ihre Nester gerne mit blauen Gegenständen - wahrscheinlich um für sich zu werben. Früher nahmen sie meist blaue Blüten, Schmetterlingsflügel oder blaue Beeren. Inzwischen nutzen sie alles was sie finden, also auch blaue Strohhalme, Wäscheklammern oder Flaschenverschlüsse. Das hat den Vorteil, dass das Baumaterial länger hält uns nicht ständig ersetzt werden muss.  

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