Ist es eigentlich übergriffig, wenn wir andere kitzeln? Russel Brand meint: Ja. Der britische Comedian ist Vater zweier Töchter und sagte, er würde jeden verprügeln, der sie ungefragt kitzelt. Kitzeln bedürfe einer Zustimmung – auch bei Kindern, denn es sei ein "Eingriff in die Autonomie der Kinder und deren Recht auf körperliche Unversehrtheit". Hat er Recht? Zu der Frage, wer wen kitzeln darf, hat sich unsere Reporterin schlau gemacht.

Es wäre schon eine ziemlich schräge Vorstellung: Ihr sitzt in der Bahn oder begegnet irgendwelchen Leuten – und die fangen plötzlich an, euch zu kitzeln. Vermutlich würde das keiner von uns gut finden. Kitzeln ist nämlich, wenn man mal darüber nachdenkt, eine ziemlich intime Angelegenheit. Und vermutlich hat Russel Brand einfach Recht, wenn er sagt, auch Kinder dürften nicht einfach so gekitzelt werden.

"He’s not wrong in that tickling is quite an intimate thing and I just couldn’t march in a room and tickle somebody else and expect them to find that funny."
Sophie Scott, Professorin für kognitive Neurowissenschaften am University College in London

Sophie Scott ist Professorin für kognitive Neurowissenschaften am University College in London, ihr Forschungsgebiet ist Lachen und Kitzeln. Und sie sagt: Russel Brand hat nicht Unrecht – Kitzeln sei eine ziemlich intime Sache und habe seinen Ursprung in der Eltern-Kind-Beziehung. Das sieht auch Susanne Viernickel so, Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Leipzig.

"Das kann ich nur mit Personen, denen ich sehr nah bin."

Enge Freunde oder Familie – das sind die Leute, die uns kitzeln dürfen. Und das ist auch die Meinung der meisten Leute, die wir in einer Straßenumfrage zum Thema befragt haben: "Wenn ich ein Kind nicht gut kenne, dann würde ich gar nicht auf die Idee kommen, es zu kitzeln, weil das für mich ein zu persönliche Art des Umgangs miteinander wäre", so ein Kommentar.

"Das gehört zum Kindsein dazu, dass man sich untereinander kitzelt. Aber natürlich sollte jetzt kein wildfremder alter Mann einfach anfangen, jemand zu kitzeln. Das will ich auch nicht bei mir."
Stimme aus unserer Straßenumfrage

Diese Intimitäts-Grenze gelte nicht nur fürs Kitzeln, meint Susanne Viernickel, sondern auch fürs Hochheben, Küssen, Haare streicheln, Naseputzen: Alles, was wir als Erwachsene übergriffig finden, gilt auch für Kinder. "Sie haben das gleiche Recht auf Selbstbestimmung wie wir", so die Erziehungswissenschaftlerin.

Übrigens ist es auch ganz interessant, was die Lach- und Kitzelforschung über den Sinn und Zweck von Kitzeln herausgefunden hat: Studien mit Ratten haben gezeigt, dass kleine Ratten, die häufig gekitzelt wurden, mehr lachen und grundsätzlich ein optimistischeres Gemüt haben – soweit man das über Ratten sagen kann. Das Kitzeln hat also auch eine soziale Funktion.

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