"Ich bin arbeitslos" geht nicht mal so eben über die Lippen. Doch hält der Zustand länger an, findet man hoffentlich einen Weg, damit umzugehen, ohne seine Selbstachtung zu verlieren. Zwei Menschen ohne Erwerbsarbeit erzählen, ob das funktioniert hat.

Frau K. und Herr L. dachten nach ihrer Ausbildung nicht daran, erwerbslos zu werden. Und schon gar nicht, Hartz IV beantragen zu müssen - obwohl der Kunst- und Medienbereich nicht die sicherste Bank ist, genug Geld fürs Leben zu verdienen.

Dann war es doch so weit, und der Transformationsprozess ihres Selbstbildes und ihrer Stellung in der Gesellschaft stellte sie vor eine schwierige Aufgabe. Ich gehöre jetzt zu den Arbeitslosen? Frau K. und Herr L. haben uns darüber erzählt, ihre Gedanken mitgeteilt, was das Arbeitsloswerden und -sein mit ihnen gemacht hat. Hört am besten selbst ("Hören"-Button oben im Bild). Hier ein paar Auszüge:

"Hartz IV ist wirklich ein Glück und ein Luxus. Wenn du andere Länder nimmst, wie die damit umgehen… Andererseits: Was mit dieser Arbeitslosigkeit hier in Deutschland passiert - sag bloß nicht, dass du arbeitslos bist. Du wirst gerettet, aber du wirst auch gebrandmarkt."
Frau K.
"Das Versprechen auf später! Dieses süße Versprechen auf den Erfolg, den persönlichen Erfolg oder den finanziellen Erfolg. Du hast eine Ausbildung, danach gehst du ins Berufsleben, und dann arbeitest du dich von unten nach oben. Also bin ich dem gefolgt und hab mich gezwungen. Aber es funktionierte nicht."
Herr L.
"Ich habe meine Mutter besucht. Ich hatte Zahnschwierigkeiten, das war in so einem kleinen Dorf. Meine Mutter war völlig zerstört und sagte zu mir: 'Ich hoffe es steht nicht auf der Krankenkassenkarte, dass du arbeitslos bist? Sonst wird das jeder im Dorf erfahren.'"
Frau K.
"Ich gehöre noch zu einer Klasse eines Bürgertums. Auch wenn man das jetzt nicht aussprechen würde - aber vom Geld her bin ich Penner."
Herr L.
"Das erste, was die Sachbearbeiterin zu mir gesagt hat: 'Sie sind eine Frau, das ist sehr schwer. Dann: Sie sind 45 Jahre alt. Sie haben überhaupt keine Chance.'"
Frau K.
"Ich gehe jetzt zum Amt, um Geld zu bekommen, sodass ich letztendlich was für die Gesellschaft machen kann. Indem sie mir die Möglichkeit gibt erst mal durchzuatmen, zu mir zu kommen. Ich empfinde mich selbst als sehr sozialen Menschen und gebe den Menschen in meiner Umgebung was zurück, was nicht auf der Arbeitskraft basiert."
Herr L.