Sie sieht sich als Detektivin in einem Klima-Krimi: Die Meeresgeologin Maria-Elena Vorrath findet zwar keine Fingerabdrücke, dafür aber Spuren – und zwar den Schnee. Anhand von Bodenproben hat sie ein Messverfahren mitentwickelt, das uns hilft, Prognosen für Klimamodelle zu erstellen.

Maria-Elena Vorrath ist Meeresgeologin am Alfred-Wegner-Institut für Meeres- und Polarforschung. Ihre Themenschwerpunkte sind der Klimawandel und die Polarforschung.

"Ich erforsche das Klima der Vergangenheit. Und das hängt mit dem von heute direkt zusammen."
Maria-Elena Vorrath, Meeresgeologin und Klimaforscherin

Das Klima auf unserer Erde wird durch drei Hauptfaktoren bestimmt:

  1. die Menge der Sonnenstrahlung, die wir abbekommen
  2. die Menge der Treibhausgase, die in der Atmosphäre sind
  3. die Größe der Eisflächen auf der Erde, die Sonnenlicht ins Weltall reflektieren

Alle diese drei Faktoren waren schon immer Schwankungen unterworfen. Erdgeschichtlich hat es den Klimawandel deshalb schon immer gegeben.

Das Klima vor 20.000 Jahren

Maria-Elena Vorrath betreibt Grundlagenforschung. Die Wissenschaftlerin untersucht, wie die Eismassen der Antarktis auf frühere Klimaschwankungen reagiert haben, also Wärme und Kälte. 20.000 Jahre blickt sie dabei maximal zurück. Aus diesen Forschungen können Rückschlüsse gezogen werden, die dann anderen Wissenschaftlern zur Verfügung stehen, die damit zum Beispiel Vorhersagen für heute machen können.

"Ich erforsche hauptsächlich den Meeresboden, weil der Meeresboden die Klimainformationen der Vergangenheit speichern kann."
Maria-Elena Vorrath, Meeresgeologin und Klimaforscherin

Die Geowissenschaftlerin arbeitet in der marinen Geologie und untersucht vor allem den Meeresboden. Denn genau dort setzen sich im Laufe der Jahrtausende verschiedenste Dinge ab. In ihrer Unterabteilung geht es vor allem um organische Mikrofossilien, also um die organischen Überreste von Lebewesen, die uns heute sagen können, unter welchen Umweltbedingungen sie damals gelebt haben.

Wir leben in der neuen Warmzeit

In den letzten 800.000 Jahren habe es einen Wechsel von kalten und warmen Zeiten gegeben, erklärt Maria-Elena Vorrath. Vor 20.000 Jahren hat die letzte Eiszeit ihr Maximum erreicht, es war also besonders kalt. Danach setzte die Neuzeit ein, also eine neue Warmzeit. Seitdem wird es auf unserer Erde kontinuierlich wärmer. Eigentlich hatten wir bereits ein Temperaturmaximum – und eigentlich sollte es jetzt "demnächst" wieder etwas abkühlen und in die nächste Eiszeit gehen, sagt Maria-Elena Vorrath.

Eine Eiszeit komme immer schleichend, die Phase der Abkühlung sei also relativ lang. Die Phase der Erwärmung dagegen sei relativ schnell: In den letzten 20.000 Jahren sei die Temperatur nach oben geschossen, so die Meeresgeologin.

Wenn der Mensch in die Natur eingreift

Durch den Klimawandel verschiebt sich dieser Zyklus aus schneller Erwärmung und langsamer Abkühlung aber jetzt sozusagen immer weiter nach hinten. Denn nachweislich wird es auf unserem Planeten weiterhin immer wärmer statt kälter – und das, obwohl wir weniger Sonne abbekommen.

"Wir wissen, dass seit 50 Jahren die Sonneneinstrahlung auf die Erde leicht abnimmt. Eigentlich hätten wir dadurch also eine kleine Abkühlung."
Maria-Elena Vorrath, Meeresgeologin und Klimaforscherin

Dadurch, dass die Menschen sehr viele Treibhausgase in die Atmosphäre freisetzen, heizen wir das System allerdings künstlich an. Das habe inzwischen Ausmaße angenommen, die wir "so einfach nicht mehr rückgängig machen können", sagt Maria-Elena Vorrath.

Zerstörung unserer Lebensgrundlage

Umweltveränderungen hätten immer dazu geführt, dass verschiedene Tierarten ausgestorben sind und neue diese Nischen besetzt haben. Der Mensch müsse sich vor Augen halten, dass er in einem relativ zerbrechlichen System lebe – und dass er doch immer noch davon abhängig sei, jeden Tag Nahrung und Trinkwasser zu sich zu nehmen.

"Die Erde dreht sich definitiv weiter. Ob Klimawandel oder nicht, das tut sie immer."
Maria-Elena Vorrath, Meeresgeologin und Klimaforscherin

Wenn wir die Erde weiterhin so schnell erwärmen und ausbeuten – also natürliche Flächen versiegeln und umnutzen für Landwirtschaft und keine Naturräume mehr erhalten, die der Zerstörung bisher immer noch ganz gut gegensteuern konnten – dann zerstören wir unsere unmittelbare Umgebung und unsere Lebensgrundlage.

Noch mehr zu diesem Thema erfahrt ihr, wenn ihr euch das ganze Gespräch mit Maria-Elena Vorrath anhört.