Wegen versuchter Nötigung ist Henning Jeschke kürzlich zu 200 Euro Geldstrafe verurteilt worden - weil er seine Hand mit Sekundenkleber auf den Asphalt geklebt und dadurch den Straßenverkehr gestört hat. Der 22-Jährige ist Mitglied der "Letzten Generation", einer Gruppe Klimaaktivist*innen, die durch zivilen Ungehorsam mehr Klimaschutz durchsetzen wollen. Und Henning sagt: Er würde sich jederzeit wieder festkleben.

Wie viele Tuben Sekundenkleber Henning Jeschke in den letzten Monaten verbraucht hat, weiß er nicht. "Einige dürften es schon gewesen sein", sagt der 22-Jährige. "Ich hab nicht mitgezählt." Die benutzten Tuben sammelt die Polizei im Zuge der Polizeieinsätze außerdem ein, sagt Henning.

"Letzte Generation" provoziert mit zivilem Ungehorsam


Henning ist Teil der Klimabewegung "Die Letzte Generation", die immer wieder mit Störaktionen für Aufmerksamkeit sorgt. Die Aktivistinnen und Aktivisten haben im vergangenen Jahr Ölpipelines zugedreht oder ihre Hände auf Autobahnen und Straßen festgeklebt, um den Verkehr lahmzulegen. Ihre Forderung: Mehr Anstrengungen im Kampf gegen den Klimanotstand. "Der 'Letzten Generation' geht darum, dass wir sagen: Wir sind einfach die Letzten, die das steuern können", sagt Henning Jeschke.

"Wir glauben, das effektivste Mittel ist ein von vielen Menschen begangener friedlicher bürgerlicher Widerstand."
Henning Jeschke, Klimaaktivist, "Letzte Generation"

Wegen der Störaktionen laufen derzeit diverse Verfahren, auch Henning Jeschke ist im September zu 200 Euro Geldstrafe verurteilt worden - wegen versuchter Nötigung. Im vergangenen Jahr hat Henning Jeschke außerdem für deutschlandweite Aufmerksamkeit gesorgt, als er vor der Bundestagswahl 27 Tage lang in den Hungerstreik getreten ist. Seine Forderung: ein persönliches Gespräch mit den Kanzler*kandidatinnen über die Klimakrise.

Abgebrochener Hungerstreik

Henning Jeschke brach den Streik erst ab, als Olaf Scholz ihn anrief und ihm ein Gespräch nach der Wahl versprach. Henning Jeschke musste nach dem Hungerstreik auf die Intensivstation, weil sein Körper so geschwächt war.

"Man hat so wenig Muskeln, dass man nach einer Woche im Krankenhaus wieder neu gehen lernen muss."
Henning Jeschke über 27 Tage Hungerstreik

Eigentlich hatte Henning Jeschke angefangen, Politik zu studieren. Doch seine Zeit investiert der Aktivist im Moment so gut wie komplett für den Klimaschutz. "Die nächsten zwei, drei Jahre, die entscheiden, die wollen wir nutzen, dass wir zu einer kritischen Masse kommen", sagt Henning Jeschke. Deshalb stellt er im Moment alles hintenan. Im Rahmen des zivilen Ungehorsams ist für ihn und seine Mitstreiter*innen aber klar: Die Aktionen dürfen nicht in Gewalt umschlagen.

"Für uns ist absolut klar und unumstößlich: Wer anfängt, Gewalt anzuwenden, dessen Erfolgschance fällt auf Null runter."
Henning Jeschke über Gewaltfreiheit bei "Die Letzte Generation"

Welche Rolle, die Klima-Kipppunkte für "Die Letzte Generation" spielen, wie Henning Jeschke auf Kritik am Vorgehen der Aktivist*innen reagiert und ob er im Kampf für mehr Klimaschutz auch ins Gefängnis gehen würde, hört ihr im Deep Talk.

  • Deep Talk
  • Moderatorin:  Rahel Klein
  • Gesprächspartner:  Henning Jeschke, Klimaaktivist, "Letzte Generation"