Klimaangst ist real, sagt Malte Klar. Er ist Psychologe und Teil der Psychologists for Future - und er weiß, wie wir diesem Gefühl begegnen können.

"Klimaangst": Der Begriff steht für die Angst davor, was passiert, wenn der Klimawandel weiter fortschreitet - wie er unser eigenes Leben und das anderer Menschen, Tiere oder Pflanzen bedroht.

Der Begriff ist wichtig, sagt Psychologe Malte Klar. Aber manchmal sei er vielleicht zu eng gefasst. Denn eigentlich, meint er, umfasst der Begriff eine ganze Menge verschiedener Prozesse und unterschiedlicher Gefühle.

"Es geht um ganz viele miteinander verbundene, eng verzahnte Krisen: Artensterben, Waldsterben, Dürren, Armut, Hunger, Menschenrechtskonflikte."

Auch die Emotionen, die damit in Verbindung stehen, sind vielfältig. Sehen wir Bilder von beispielsweise zerstörten Regenwäldern, kann uns das traurig oder wütend machen, wir können uns hilflos oder auch ohnmächtig fühlen.

Doch ganz gleich, wie man es nun nennt - wichtig sei vor allem, dass wir mit diesen schwierigen Gefühlen umzugehen lernen, sagt Malte Klar.

"Ich glaube es ist wichtig, dass wir üben, mit schwierigen Gefühlen insgesamt besser umzugehen."
Malte Klar, Psychologists for Future

Wer diese unangenehmen Gefühle beiseite schiebt, der handelt auf gewisse Weise zwar menschlich. Besser sei es jedoch, sich der Gefühle anzunehmen, so der Psychologe. Wir sollten versuchen zu verstehen, dass die Angst an sich kein schlechtes Gefühl sei, denn "sie warnt mich vor etwas Schlimmem".

Die Angst vor dem Klimawandel sei real, denn "die Klimakrise wird uns ganz massiv beeinträchtigen und treffen", sagt Malte Klar. Von daher sei es gesund, davor Angst zu haben. Wir sollten die Angst also zulassen und erlauben.

Emotionale Kompetenz in der Klimakrise lernen

Was aber, wenn uns die Angst überwältigt, vielleicht sogar handlungsunfähig macht? Der Psychologe rät, sich immer klarzumachen, dass Gefühle wie Ohnmacht zwar unangenehm, aber an sich nicht gefährlich sind.

"Wenn ich das Gefühl habe, mir wird die Luft abgeschnitten, dann ist das nur ein Empfinden", sagt er. "Real ist es weiterhin möglich, langsam durch den Mund auszuatmen, das beruhigt das vegetative Nervensystem" - und das sei schon die halbe Miete.

"Wenn man sich besonders viel mit diesen Klimanachrichten beschäftigt, dann wäre es wichtig, da immer wieder Pausen einzulegen, sich nicht permanent, non-stop mit diesen schwierigen Themen beschäftigen."
Malte Klar, Psychologists for Future

Unter Klimaangst leiden eher Menschen, die sich stark mit Umwelt- und Klimanachrichten beschäftigen, so Malte Klar. Ab und zu eine Nachrichtenpause einlegen, sei dann hilfreich. Manchen Menschen falle es leichter, die Thematik auf eine gesunde Art und Weise zu verarbeiten, anderen schwerer. Doch emotionale Kompetenz kann man lernen, sagt der Psychologe, da sei insgesamt noch "viel Nachhilfe nötig."

Optimistisch bleiben trotz Krise

Übrigens: Ängste zulassen bedeutet nicht, dass man ausschließlich negativ in die Zukunft schaut. Man kann einen Wechsel der Gefühle zulassen, sagt Malte Klar. Man darf auch auf das schauen, was gut ist und noch funktioniert: Beispielsweise in einem noch gesunden Wald spazieren gehen und sich daran freuen. "Dankbarkeit" sei wichtig, um sich nicht in der Angst zu verlieren.

Außerdem könnte man die Angst auch zum Anlass nehmen und sich fragen: Was ist mir eigentlich wirklich wichtig im Leben? Die Krise kann so im besten Fall Anlass für eine persönliche Weiterentwicklung sein.

"Die Beschäftigung mit der Klimakrise und die Gefühle, die damit verbunden sind, die können einem auch vergegenwärtigen, worum es eigentlich wirklich geht im Leben."
Malte Klar, Psychologists for Future