Die Klimabilanz 2019 stimmt Bundesumweltministerin Svenja Schulze optimistisch. Durch den zusätzlichen Corona-Effekt könnte nächstes Jahr das Klimaziel von 2020 erreicht werden. Der Effekt lenkt jedoch von den eigentlichen Problemen ab.

Der Bericht klingt zunächst positiv: Im Jahr 2019 ist der Ausstoß an Treibhausgasen um sechs Prozent gesunken. Insgesamt hat der Energiesektor fast 17 Prozent weniger CO2 produziert als im Vorjahr. Die Ursache dafür sei unter anderem mehr Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien, also aus Wind-, Wasser- und Sonnenenergie. Dazu kam eine erhöhte Stromgewinnung aus Gas und immer weniger aus Kohle. Um die Klimaziele für 2020 zu erreichen, fehlen faktisch vier Prozent.

Zum Klimaziel 2020 fehlen noch vier Prozent

Dieses Klimaziel besagt, dass im Jahr 2020 40 Prozent weniger CO2 produziert werden soll als im Jahr 1990. Bundesumweltministerin Svenja Schulze sei optimistisch, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Nele Rößler, dass das noch zu schaffen sei, da 2019 im Vergleich zu 1990 36 Prozent weniger Kohlenstoffdioxid produziert wurde. Für die fehlenden vier Prozent wird jedoch vor allem der Corona-Effekt verantwortlich sein.

Corona-Effekt nur kurzfristig

Doch der Effekt wird nicht von Dauer sein. Er überdecke nur die Notwendigkeit für wichtige Umstrukturierungen, sagt Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes.

"Das sind keine strukturellen Effekte, die das Problem auf Dauer lösen. Der Corona-Effekt überdeckt die Notwendigkeiten eines Umbaus, die weiter auf der Tagesordnung stehen."
Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes

Umbaunotwendigkeit sieht das Bundesumweltamt vor allem im Verkehrssektor, im Bereich der Infrastruktur und im Gebäudebau, der energieeffizienter gestaltet werden müsse.

Verkehrssektor als schwarzes Schaf

Dass noch viel zu tun ist, zeigt die Klimabilanz 2019 im Verkehrssektor: Seit 1990 wurde hier kein CO2 eingespart. Im untersuchten Jahr 2019 habe laut der Forschenden der CO2-Ausstoß für diesen Bereich sogar zugenommen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Nele Rößler. Dass die Motoren immer effizienter werden, verbessert die Bilanz nicht, denn sie werden auch immer stärker. Zudem werden Autos und LKW immer schwerer, was im Endeffekt ebenfalls mehr Treibstoff kostet.

Abstandsregel-Einigung als erster Schritt

Als konkreten Vorschlag hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze vorgeschlagen, dass die große Koalition endlich eine Einigung in der Abstandsregel von Windrädern und Häsuern erreichen müsse, damit in Zukunft mehr Energie aus Windkraft genommen werden kann. Diese besagt, dass zwischen einer Windenergieanlage und bewohnten Gebäuden 1000 Meter Abstand sein muss.