Unser Gehirn kann einfach nicht gut die Zukunft erfassen. Die Klimakrise spüren wir (noch) nicht. Deshalb können wir sie leicht ausblenden, sagt Neurowissenschaftler Henning Beck.

Der jüngste Weltklimabericht hat es noch einmal sehr deutlich gemacht: Das Klima verändert sich und der Klimawandel ist menschengemacht. Mit Folgen: Umweltereignisse wie Hochwasser oder Dürren werden häufiger werden und uns auch hier in Europa treffen.

Klar, wir wollen, dass die Politik sich kümmert. Aber welche Konsequenzen ziehen wir persönlich daraus? Führen die Fakten auch dazu, dass wir grundlegend etwas in unserem Leben ändern?

Warum unser Gehirn die Klimakrise verdrängt

Bei vielen ist das nicht der Fall. Ausdrücklich sprechen wir nicht von allen, denn natürlich gibt es Menschen, die sich vehement für das Klima engagieren und denen die Folgen des Klimawandels durchaus sehr bewusst sind. Aber wenn wir zusammen mit Neurowissenschaftler Henning Beck auf das Durchschnittsgehirn schauen, wie er es nennt, können wir sehen: Die Klimakrise ist da – aber unser Gehirn verdrängt das relativ erfolgreich. Warum?

Der Neurowissenschaftler gibt ein Beispiel: Wenn wir uns vorstellen, wie wir selbst mal in zehn Jahren sein werden, dann wird das im Gehirn so verarbeitet, als wären wir eine komplett fremde Person.

"Im Gehirn werden dann Areale aktiv, in denen wir uns selbst wie eine komplett andere Person sehen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Das größte Problem sei, dass wir die Zukunft nicht spüren. "Und es ist uns eigentlich auch egal." Real sei für uns nur, was wir im Hier und Jetzt spüren, so Henning Beck. Die Zukunft werde in unserem Gehirn quasi downgegraded. Und weil wir kein Gefühl für die Zukunft haben, tun wir auch nichts gegen künftige Krisen.

Wir können die Zukunft nicht spüren

Weil wir die Zukunft nicht spüren, ist es auch so schwer, Menschen mit rationalen Fakten zu überzeugen, erläutert Henning Beck. Selbst wenn die Menschen über alle Informationen verfügen, was beim Klimawandel der Fall ist, tun sie nichts. Denn alles was in der Zukunft ist, wird im Gehirn fremdverarbeitet und taugt nicht dazu, dass der Mensch aktiv wird, sagt der Neurowissenschaftler.

"Die Menschen machen nichts. Menschen machen nur dann etwas, wenn sie emotional davon ergriffen sind."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Um das zu ändern, müssten konkrete Bilder geschaffen werden. Versicherungen würde das gut gelingen, so Henning Beck. Eine Lebensversicherung ließe sich beispielsweise besser verkaufen, wenn wir das Szenario vor Augen geführt bekommen, wie es ist, in 40 Jahren kein Geld zu haben.

Aktive Menschen haben konkrete Zukunftsbilder vor Augen

Henning Beck geht davon aus, dass Menschen, die sich aktiv für das Klima engagieren, ein sehr konkretes Bild von der Zukunft vor Augen haben. Das führe auch dazu, dass sie auf der emotionalen Ebene vom Klimawandel ergriffen sind.

"Menschen, die sich aktiv engagieren, haben ein konkretes Zukunftsbild vor Augen und spüren das auch. Und sobald man das tut, wird man auch aktiv."
Henning Beck, Neurowissenschaftler