Wenn wir Maßnahmen gegen den Klimaschutz ergreifen, könnten 50 Millionen mehr Menschen in extreme Armut geraten. Forschende haben berechnet, wie wir das verhindern könnten.

Forschende gehen davon aus, dass im Jahr 2030 immer noch 350 Millionen Menschen in extremer Armut leben werden. Und das, obwohl die Vereinten Nationen sich vorgenommen haben, bis dahin auf null zu kommen.

Wird allerdings mehr gegen den Klimawandel unternommen, könnten weitere 50 Millionen Menschen extrem verarmen. Das bedeutet, dass sie mit weniger als 1,90 Dollar pro Tag auskommen müssten, hat das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung berechnet.

Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Preise für Energie und Lebensmittel durch Maßnahmen gegen den Klimakrise weiter steigen könnten.

"In der Regel ist es nämlich so, dass wohlhabendere Menschen mehr CO2 in die Luft blasen und ärmere Menschen weniger die Umwelt verschmutzen."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Das Institut zeigt auf, dass es fairere Wege gibt, den Klimawandel zu bremsen. Die Idee ist eine klassische Umverteilung, das Potsdamer Institut nennt es eine Klima-Dividende. Das Reiche Arme unterstützen sollten, ist keine neuer Ansatz, könnte aber durchaus funktionieren.

Gerechtere Umverteilung durch Klima-Dividende

Dieser Idee liegt zugrunde, dass wohlhabendere Menschen in der Regel mehr CO2 verursachen als ärmere. Mit einer CO2-Steuer auf nationaler Ebene könnte ein gewisser Ausgleich geschaffen werden. Der Vorschlag: Ärmere würden weniger Steuern bezahlen.

Gleichzeitig könnten die Einnahmen aus der CO2-Steuer umverteilt werden, sodass sie finanziell Schlechtergestellten zugute kommen. Das könnte zwei Effekte haben: Zum einen den Anreiz für Reichere, die Umwelt weniger zu verschmutzen, und es könnte die Armut bei einigen verringern.

Industrieländer zahlen Geld an Entwicklungsländer

Die Forschenden machen einen weiteren Vorschlag, der auf internationaler Ebene umgesetzt werden könnte: Sie nennen es Klima-Finanztransfers. Die Idee: Industrieländer zahlen Geld an Entwicklungsländer, das aus den Einnahmen der nationalen CO2-Steuer stammt. Die Forschenden empfehlen zum Beispiel fünf Prozent. Dadurch könnten bis zum Jahr 2030 weitere 45 Millionen Menschen der extremen Armut entkommen.

Mit diesen Maßnahmen könnte Klimaschutz und Armutsbekämpfung in eine Synergie verwandelt werden. Allerdings fehle noch die politische Umsetzung, meint einer der Forschenden.

Ein weiterer Faktor, der bisher in den Berechnungen noch nicht berücksichtig werden konnte, sind die Folgen der Coronavirus-Pandemie. Denn die Zahl der Verarmten könnte dadurch noch höher ausfallen.