Die Arabica-Bohne schmeckt der Kaffee-Community einfach so gut, dass sie überall angebaut wird. Aber der Klimawandel macht ihr zu schaffen. Forschende haben jetzt eine seit rund 100 Jahren fast vergessene Bohne wiederentdeckt, die eine gute Alternative sein könnte.

Die Arabica-Bohne ist die Königin unter den Kaffeebohnen. Sie schmeckt eher süßlich, weniger sauer und hat dazu ein ausgeprägtes Aroma. Mittlerweile wird sie fast überall auf der Welt angebaut. Das Problem: Die Kaffeepflanze ist sehr anfällig für die Veränderungen, die der Klimawandel mit sich bringt. Sie braucht nämlich ganz bestimmte Bedingungen, damit sie so gut schmeckt, wie wir es von ihr gewohnt sind:

  • Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad – zu heiß sollte es also nicht sein
  • Eine Höhenlage ab 1.000 Metern sind ideal
  • Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Regen

Ist es zu warm, schmeckt der Kaffee nicht nur schlecht, sondern ist auch empfindlicher gegenüber einer Krankheit namens Kaffeerost. Das ist ein Pilz, der zu kompletten Ernteausfällen führen kann.

"Wird es wärmer, schmecken die Bohnen nicht mehr so gut – das geht dann eher in Richtung Plörre."
Tina Howard, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Forschende vom Potsdam Insitut für Klimafolgenforschung sagen, dass allein in Äthopien bis zu 40 Prozent der Kaffeeanbauflächen bis zum Ende des Jahrhunderts verloren gehen könnten, wenn sich das Klima weiter ungebremst verändert.

Dass eine gute Alternative zur Arabica-Bohne gefunden wird, liegt also nicht nur im Interesse aller Kaffee-Fans, sondern auch im Interesse eines milliardenschweren Wirtschaftssektors, von dem mehrere Millionen Menschen weltweit abhängig sind, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Tina Howard.

Eine Kaffeesorte aus alter Zeit

Eine Alternative zur Arabica-Bohne gibt es ja bereits: die Robusta. Sie ist, wie es ihr Name schon verrät, robuster als die Arabica-Bohne. Allerdings ist sie auch deutlich bitterer im Geschmack. Deshalb ist ein Forschungsteam auf die Idee gekommen, eine Kaffeepflanze auf den Plan zu holen, für die sich seit 100 Jahren niemand mehr interessiert hat: die Coffea Stenophylla.

Sie wuchs ursprünglich in Sierra Leone, Guinea und der Elfenbeinküste. In Sierra Leone wurde sie vor 100 Jahren sogar kommerziell angebaut, doch durch den Siegeszug der Arabica Bohne geriet die Pflanze scheinbar in Vergessenheit.

"Dann begann der Siegeszug der Arabica und Stenophylla geriet in Vergessenheit. Sie galt sogar als ausgestorben."
Tina Howard, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Jetzt könnte die Pflanze aber einen echten Ausweg aus der Arabica-Krise bieten, schreiben die Forschenden im Fachmagazin Nature Plants. Denn von der Pflanze heißt es, dass sie ähnlich wie Arabica schmecke. Da die Geschmacksbeschreibungen allerdings über 100 Jahre alt waren, haben sich die Forschenden Bohnen von der wiederentdeckten Pflanze zuschicken lassen und sie getestet. Mit dem Ergebnis: Stenophylla schmeckt tatsächlich genauso gut wie Arabica.

"Und da zeigte sich: Die Stenophylla schmeckt hervorragend – genauso gut wie richtig gute Arabica-Bohnen."
Tina Howard, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Anscheinend haben die Stenophylla-Bohnen ein ähnliches chemisches Geschmacksprofil mit den Aromastoffen Kahweol und Trigonellin.

Weniger anspruchsvoll im Anbau

Aus den wenigen Quellen, die es gibt, schließen die Forschenden, dass die Pflanze auch im Anbau weniger anspruchsvoll ist als die Arabica-Pflanze. Denn dort, wo sie jetzt freiwillig wächst, wäre es mit 25 Grad für die Arabica schon viel zu warm.

Auch beim Regen und bei der Höhe sei sie wohl toleranter. Die Forschenden schlagen deshalb vor, dass es zumindest eine Möglichkeit wäre, die Stenophylla-Sorte mit der Arabica-Sorte zu kreuzen. So könnte man eine widerstandsfähige Mischung bekommen, die auch in den kommenden Jahrzehnten den wechselnden Klimabedingungen standhalten könnte.