Es wird wärmer auf der Erde. Für bestimmte Arten ist es im Jadebusen inzwischen zu warm, sie wandern in den Norden ab. Dafür sind neue gekommen, die es lieber etwas wärmer haben.

Wissenschaftlerinnen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung haben die Zusammensetzung der Tierarten im Jadebusen von 1972 bis 2014 untersucht. Ihr Ergebnis: Insgesamt gibt es mehr Arten in der 160 Quadratkilometer großen Nordseebucht vor Wilhelmshaven. Allerdings sind es teilweise ganz andere als früher, die den sandigen Meeresboden besiedeln.

Der Jadebusen gilt als eine Art Kinderstube der Nordsee, weil in der Bucht viele Jungtiere heranwachsen, bevor sie ins offene Meer abwandern. 42 Jahre lang wurden an festen Stationen Proben vom Meeresboden entnommen. Die Auswertung der Daten zeigt, dass die Artenzahl der Tiere zugenommen hat. Vor allem in den Jahren 1988 bis 2001 habe sich die Zusammensetzung aufgrund des globalen Klimawandels und die damit verbundene Erhöhung der Wassertemperatur verändert. Die Wissenschaftlerin Ingrid Kröncke und ihr Team sprechen von einer Systemverschiebung. Das ist eine nachhaltige Veränderung der Struktur und Funktion eines Ökosystems.

"Die Wassertemperatur hat im Wattenmeer im Mittel um 1,5 Grad in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen. Mit zunehmender Temperatur nehmen heimische kälteliebende Arten ab und heimische wärmeliebende Arten nehmen zu."
Ingrid Kröncke, Senckenberg-Wissenschaftlerin

Diese Systemverschiebung zeigt sich daran, dass kälteliebende klassische Nordseearten wie die Scholle oder Kabeljau immer seltener werden. "Beim Kabeljau ist es so", sagt Ingrid Kröncke, "dass die Bestände auch in der gesamten Nordsee eigentlich schon zusammengebrochen sind und diese Art heute nur in den Nordmeeren gefangen wird. Das liegt daran, dass die Fortpflanzung des Kabeljaus an eine Temperatur von 3 bis 4 Grad gekoppelt ist. Seit Ende der 80er Jahre erreichen wir diese niedrigen Temperaturen kaum noch." Dafür tummeln sich jetzt vermehrt Seezungen, Strandkrabben und Schwimmkrabben im Jadebusen.

"Höchst wahrscheinlich werden auch nicht heimische Arten aus dem Atlantik oder Mittelmeer einwandern. Das sind ja Prozesse, die wir auch schon in der gesamten Nordsee oder auch im Wattenmeer sehen, dass fremde Arten einwandern, die höhere Temperaturen gut aushalten können."
Ingrid Kröncke, Senckenberg-Wissenschaftlerin