Momentan ist die lukrativste Zeit für die Wintersportbranche – eigentlich. Doch an vielen Orten liegt kein Schnee. Und teilweise ist es sogar zu warm für Kunstschnee.

In vielen Skigebieten in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist es gerade ziemlich grün statt weiß. Die Branche muss gerade herbe Verluste hinnehmen. In der Schweiz haben die ersten Skigebiete bereits angekündigt, den Skibetrieb bis auf Weiteres einzustellen.

Wenig Schneeflächen erhöhen zudem das Verletzungsrisiko. Kommt man von der Piste ab und stürzt, landet man womöglich nicht im weichen Schnee, sondern auf hartem Boden.

"Weniger Schnee bedeutet weniger sicheren Raum zum Stürzen. Durch Kunstschnee wird die Bahn bei Regen zudem eisiger."
Nik Potthoff, Deutschlandfunk Nova

Außerdem macht Kunstschnee die Bahn bei regnerischem Wetter in höheren Lagen eisiger und gefährlicher.

Die Skigebiete sind schon seit längerem mehr und mehr auf Kunstschnee angewiesen. Ohne ihn würde in vielen Wintersportregionen gar nichts gehen. Doch selbst, um Kunstschnee herzustellen, ist es gerade oft zu warm.

Zur Herstellung benötigt man eigentlich nur Wasser und Luft – kalte und trockene Luft am besten. Wenn das Wetter warm und regnerisch ist, ist das daher besonders ungünstig.

Kunstschnee lässt sich zwar ohne Chemikalien herstellen, verbraucht aber viel Wasser – und Strom. Hubert Aiwanger, bayrischer Wirtschaftsminister von den Freien Wählern, sieht trotzdem keine Alternative zur Kunstbeschneiung, hat er im Deutschlandfunk gesagt.

"Das ist Teil der Lösung. Weil eben jene Skiregionen vom Wintertourismus leben oder nicht leben. Wenn wir nicht beschneien, tun es die Österreicher, Tschechen und so weiter."

Die Kunstbeschneiung ist bereits eine Notlösung, wenn die Witterung nicht passt – und eine teure dazu. Skifahren ist sowieso schon ein eher teureres Hobby. Wenn es in Zukunft im Winter regelmäßig zu warm für den künstlichen Schnee ist, stehen die Skigebiete vor Problemen.

Die Gebiete, die seit Jahrzehnten vom Skibetrieb leben, müssen sich also intensiv mit den Folgen des Klimawandels beschäftigen, sagt Tourismusexperte Markus Pillmayer von der Hochschule München.

"Wir haben eine ideologische, aber auch emotionale Debatte – die wir aber führen müssen, denn wir kommen an den Tatsachen nicht vorbei."

Viele Leute buchen ihren Skiurlaub bereits jetzt in Regionen ab 1500 Meter Höhe. Dort wird es jetzt voller und teurer.

Mehr wandern und Radfahren

Eine vom Deutschen Alpenverein in Auftrag gegebene Studie hat bereits vor zehn Jahren aufgezeigt, dass langfristig nur drei deutsche Skigebiete überleben werden: Zugspitze, Fellhorn und Nebelhorn im Allgäu. Dazu müssten alle drei aber je ein Drittel mehr Kunstschnee produzieren als bisher.

Immer mehr Wintersportregionen setzen deshalb schon jetzt verstärkt auf die Sommersaison – und auf Aktivitäten wie Wandern, Klettern, Mountainbiking oder Sommerrodeln. Ob damit alle Regionen langfristig über die Runden kommen, steht in den Sternen. Denn die Tourist*innen müssen die Alternativen überhaupt erstmal annehmen.

Hinweis: Unser Bild oben zeigt Wintersportler am 31.12.2022 im Skigebiet Salzburger Land in Österreich.

  • Moderation:  Sebastian Sonntag
  • Gesprächspartner:  Nik Potthoff, Deutschlandfunk Nova