Schlechte Nachrichten für alle Allergikerinnen und Allergiker: Die Pollensaison ist in den vergangenen Jahren immer länger und intensiver geworden – Schuld daran ist auch der Klimawandel.

Wenn es wärmer wird, Blumen und Bäume anfangen zu blühen, dann gibt es die Menschen, die keine Sekunden mehr drinnen verbringen wollen und die Menschen, denen gar nichts anderes übrig bleibt als sich drinnen zu verschanzen, um nicht von ihrer Pollenallergie überwältigt zu werden. Forschende von der Universität Utah sind dem Eindruck nachgegangen, dass die Pollensaison von Jahr zu Jahr stärker geworden ist und haben Daten aus ganz Nordamerika gesammelt.

Ihr Gefühl hat sie nicht getrübt: Die Pollensaison beginnt mittlerweile in der Tat 20 Tage früher und dauert zehn Tage länger. Zudem fliegen gut 20 Prozent mehr Pollen durch die Luft als noch vor 30 Jahren – vor allem im Frühling.

"Die Pollensaison fängt 20 Tage früher an, dauert zehn Tage länger und es fliegen gut 20 Prozent mehr Pollen durch die Luft als noch 1990."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Da wir in Europa auf ähnlichen Breitengraden wie die USA liegen, sind die Daten auch auf uns übertragbar, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthias Wurms. Zudem kann die Studie aus den USA durch zwei Untersuchungen aus Deutschland gestützt werden.

Eine Studie aus Bayern kam im Januar zu ähnlichen Ergebnissen und auch das Helmholtz-Institut hat die Beobachtung gemacht, dass beispielsweise Haselpollen früher fliegen und einige andere Pollen über einen längeren Zeitraum in der Luft sind.

Früher warm, mehr Pollenflug

Schuld daran ist auch der Klimawandel. Die Forschenden sagen, dass die Erderwärmung etwa zur Hälfte dafür verantwortlich ist, dass die Pollensaison mittlerweile länger dauert. Deutlich wurde es, als sich die Forschenden aus Utah Daten von 60 Pollenmessstationen quer durch die USA und Kanada besorgt hatten. Dabei konnten sie nämlich feststellen, dass es die größte Steigerung des Pollenflugs in Texas und im Mittelwesten des Landes gab, also genau in den Regionen, in denen die Durchschnittstemperatur besonders stark zugenommen hat.

"Die Erderwärmung ist etwa zur Hälfte dafür verantwortlich, dass die Pollensaison länger dauert als früher."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Ein weiteres Ergebnis der Forschenden war, dass vor allem Bäume, also beispielsweise Erle, Hasel, Pappel und Birke, Pollen abgegeben haben. Das deckt sich auch mit den Ergebnissen der bayerischen Studie. Dass es insgesamt mehr Pollen gibt, liegt laut der Forschenden aus den USA zum Teil auch an den gestiegenen CO2-Emissionen, weil die Pflanzen bei einem höheren CO2-Gehalt in der Luft auch mehr Pollen produzieren.

Pflanzen reagieren auf Umweltschadstoffe

Pflanzen reagieren nicht nur auf CO2, wie die Forschenden des Helmholtz-Instituts festgestellt haben. Auch Ozon, Feinstaub oder Stickoxide lösen eine höhere Pollenproduktion der Pflanzen aus, die am Ende stärker Allergien und Entzündungen auslösen.

Hinzu kommt, dass die Umweltschadstoffe nicht nur eine negative Auswirkung auf die Pflanzen haben, sondern auch auf uns Menschen. Beispielsweise wird unsere Lunge durch die Schadstoffe empfänglicher für allergische Reaktionen wie Asthma. Das bedeutet: Die Pollensaison dauert nicht nur länger, wir reagieren auch immer stärker auf sie.

"Die Pollensaison dauert nicht nur länger, die Folgen werden für die meisten auch schlimmer."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die einzig gute Nachricht: Allergien können immer besser therapiert werden. Und auch die Erkenntnisse darüber, wie wir Allergien erst gar nicht entstehen lassen, werden umfangreicher. Beispielsweise weiß man, dass kleine Kinder durch eine vielfältige und gesunde Ernährung und durch den frühen Kontakt mit der Natur später seltener an Allergien erkranken.