Wirbelstürme zerstören teilweise riesige Gebiete. In Zukunft könnten sie vermehrt in Regionen auftauchen, die bisher weitgehend verschont blieben: Unter anderem in New York und Tokyo.

Zyklone, Hurricanes oder Taifuns – tropische Wirbelstürme haben viele Namen. Zyklone werden als solche bezeichnet, wenn sie sich über dem Indischen Ozean entwickeln. Wirbelstürme, die über Nordamerika und dem Nordatlantik auftreten, sind als Hurricanes bekannt. Entstehen sie in Südostasien, nennt man sie Taifun.

"So ein tropischer Wirbelsturm entsteht durch Konvektion. Also wenn die warme, feuchte Luft vom Ozean aufsteigt und dann kältere Luft von oben absinkt."
Julia Polke, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Bisher treten Wirbelstürme hauptsächlich in bestimmten Regionen auf – was sich zunehmend ändern könnte. Berechnungen von Forschenden, unter anderem der Yale-Universität, kommen zum Schluss:

Wirbelstürme könnten vermehrt auch in dichtbesiedelten Regionen auftreten, zum Beispiel in Großstädten wie Tokyo oder New York, wo Millionen von Menschen leben. Diese Orte sind bisher nicht für das Auftreten von Wirbelstürmen bekannt.

Dass sich die Orte, wo Wirbelstürme auftreten, verändern könnten, heißt nicht automatisch, dass sie auch mehr werden.

Weniger Temperaturgefälle zwischen Äquator und Polen

Die Forschenden haben sich unter anderem Simulationen aus Wärmeperioden angesehen, die mehrere Millionen Jahre zurückliegen. Bei diesen Simulationen bildeten sich tropische Zyklone auch in höheren Breitengraden, weg vom Äquator in Richtung der Pole. Normalerweise entstehen tropische Zyklone aber in Äquatornähe über tropischen und subtropischen Gewässern.

"In Verbindung mit den früheren Epochen, wo die Wirbelstürme schon mal Richtung Süd- und Nordpol gewandert sind, haben die Forschenden gesehen, dass das durch die Treibhausgase, die den Klimawandel begünstigen, wieder passieren könnte."
Julia Polke, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Als Grundlage dienten den Forschenden außerdem Satellitenbilder aus den vergangenen Jahren und Klimamodelle. In Verbindung mit den Simulationen der vergangenen Epochen konnten sie sehen, dass diese Entwicklung durch die vermehrten Treibhausgase wieder stattfinden könnte. Denn durch Treibhausgasemissionen passen sich die Temperaturen des Äquators und der Pole an – das Temperaturgefälle nimmt ab.

Wirbelstürme könnten schon in diesem Jahrhundert häufiger in besiedelten Regionen vorkommen

Wenn das Temperaturgefälle zwischen dem Äquator und den Polen abnimmt, bedeutet das: Der Jetstream wird wahrscheinlich geringer, die Tiefdruckrinne am Äquator und die Luftzirkulation in den Tropen ändern sich. Kurzum: Die Grundlagen für unser Wetter sind nicht mehr dieselben.

"Ein Vorbote davon könnte zum Beispiel der Wirbelsturm in Portugal 2020 gewesen sein."
Julia Polke, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Das Phänomen der tropischen Wirbelstürme wird sich daher wahrscheinlich auf mehrere Breitengrade verteilen und weiter ins Land vordringen. Forschende glauben, dass wir schon in diesem Jahrhundert mit einer solchen Entwicklung rechnen müssen.

  • Moderation:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartnerin:  Julia Polke, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion