Letsact ist eine Art Tinder für Freiwillige und Vereine: Wer Lust hat, ehrenamtlich zu arbeiten, bekommt mit der App Vorschläge hilfesuchender Organisationen. Bisher gab es die App nur in einigen Großstädten, ab heute startet sie deutschlandweit.

Deutschland ist das Land der Ehrenamtler: Bereit 44 Prozent der Deutschen engagieren sich ehrenamtlich, sagt Ludwig Petersen (im Bild oben rechts), einer der beiden Geschäftsführer und Gründer von Letsact. Das sei zwar eine "Riesenzahl" – andererseits gebe es aber auch noch die 33 Prozent der Menschen über 14 Jahre, die sich engagieren wollen, aber noch nicht das Geeignete für sich gefunden haben.

24 Millionen suchen noch

Die Rede ist von über 24 Millionen Menschen. Die App möchte den Zugang zu möglichen Ehrenämtern so leicht machen, dass sich diese Menschen auch tatsächlich engagieren, erklärt Ludwig Petersen.

"Wir wollen den Zugang zum Ehrenamt so leicht wie möglich machen."
Ludwig Petersen, Letsact-Gründer

Dass die Mehrzahl dieser 24 Millionen Leute die Aussage "Wir haben bisher noch nichts gefunden" nur als billige Ausrede verwenden, glaubt Petersen nicht. Letsact habe schon jetzt über 10.000 aktive Nutzer, von denen sich bereits über 3000 engagiert hätten. Und von diesen 3000 Nutzern seien dreiviertel sogenannte First-Time-Volunteers, die sich zum allerersten Mal engagieren.

Tiere & Umwelt, Nachhilfe & Flüchtlingshilfe

Projekte rund um Tiere und Tierschutz seien sehr beliebt, ebenso der Umweltschutz und die klassische Nachhilfe für die Schule. Auch würden viele Freiwillige in Projekte der Flüchtlingshilfe vermittelt. Daneben gebe es eher untypische Bereiche, etwa die Resozialisierung von Straffälligen.

"Es gibt fast keine Einsatzbereiche, die per se unbeliebt sind. Natürlich gibt es aber Projekte, die mehr zeitlichen Aufwand erfordern als andere."
Ludwig Petersen, Letsact-Gründer

Gerade während der Arbeit sei es schwer, sich ehrenamtlich zu engagieren – auch wenn das manche Arbeitgeber zuließen. Die beliebtesten Projekte seien die, die abends und nicht allzu oft stattfinden, sodass das Ganze noch mit der Familien- und Freizeitgestaltung vereinbar sei.

Von Bundesland zu Bundesland gebe es insgesamt wohl tatsächlich leichte Unterschiede, was das ehrenamtliche Engagement betrifft, sagt Ludwig Petersen. So sei es zum Beispiel in Bayern leicht höher als etwa in Berlin. Diese Unterschiede seien in der App aber kaum messbar – Menschen aus ganz Deutschland hätten Lust, sich zu engagieren.

Auf dem Land kennt jeder jeden

Für die Institutionen sei es in den großen Städten recht schwer, unkompliziert an Ehrenamtliche heranzukommen – weil dort alles anonymer ablaufe als auf dem Land. Dort, gerade in kleinen Ortschaften, sei die Vernetzung viel besser und jeder kenne jeden, erklärt Petersen. Letsact habe bisher also vor allem in den Städten angesetzt und dort versucht, Menschen zu erreichen und für ein Engagement zu gewinnen. Das Potenzial sei aber natürlich auch in den ländlichen Regionen vorhanden – und genau auf die will sich die App jetzt ausweiten.

Für die gute Sache

Für Nutzer*innen ist Letsact kostenlos. Finanziell lohnenswert ist die App für die Gründer Paul Bäumler und Ludwig Petersen bisher nicht. Gestartet haben sie das Ganze mit eigenen Ersparnissen. Inzwischen ist auch ein Investor aus Berlin mit an Bord. Ein Gehalt springt für die sechs Vollzeitkräfte allerdings noch nicht heraus. Viele Gründer haben ähnlich angefangen.