Deutschland kann seine Klimaziele kaum noch erreichen. Bhutan dagegen hat, was Kohlendioxid angeht, jetzt schon eine weiße Weste. Es weist als erstes Land weltweit eine negative CO2-Bilanz auf. Es bindet also mehr Kohlendioxid, als es ausstößt. Was können wir im Himalaja lernen?

Klar ist: Bhutan ist ein sehr armes Land und hat kaum Industrie – und so fällt es ein bisschen leichter, die Klimaziele zu unterbieten. Das Land beschreitet aber auch innovative Wege. Für seine Energieversorgung nutzt Bhutan zu 100 Prozent Wasserkraft und kann sogar noch etwas an den Nachbarn Indien im Süden weiterverkaufen. 

Wald und Wasser

Dabei kommt dem Land natürlich seine geografische Lage zur Gute: An den steilen Hängen des Himalajas lassen sich Flüsse und Seen gut aufstauen, erklärt unser Korrespondent Jürgen Webermann. Aber auch sonst überlässt Bhutan wenig dem Zufall: So ist zum Beispiel in der Verfassung festgelegt, dass zwei Drittel des Landes mit Wald bedeckt sein müssen.

"Bhutan strebt nach dem Bruttonationalglück – und da ist der Umweltschutz als ein sehr hochrangiges Ziel festgeschrieben."
Jürgen Webermann, Asienkorrespondent

Bei allem dem ist wichtig zu wissen: Für Bhutan steht nicht Wirtschaftswachstum allein an erster Stelle, um voranzukommen. Das Land hat das Bruttonationalglück eingeführt. Und um das zu bestimmen, werden Faktoren herangezogen, die westlichen Beobachtern seltsam vorkommen dürften: Etwa, ob die Einwohner Bhutans an Geister glauben. Die Regierung geht aber eben auch davon aus, dass eine intakte Natur, dazu führt, dass die Leute entspannter und glücklicher leben, als in einem total verschmutzen Land, erklärt Jürgen Webermann.   

Leider ist es für alle anderen Staaten schwierig, Bhutan als Vorbild in Sachen Umweltschutz nachzueifern. Schon, weil das Land so klein ist und sich erst seit 2000 für die restliche Welt geöffnet hat. Das Konzept des Bruttonationalglücks stößt aber auch jenseits des Himalajas auf viel Interesse – auch im Deutschen Bundestag