Koks im Club, Koks auf der Straße, Koks aus dem Netz und Koks über Freunde. Im Jahr 2019 ist es einfach wie nie, an die Droge zu kommen.
Noch nie wurde in Deutschland in einem Jahr so viel Kokain sichergestellt wie in diesem: zehn Tonnen. In den vergangenen zehn Jahren ist die Menge an Kokain, das von Ermittlern gefunden wurde, um 500 Prozent gestiegen. Daraus sollten wir aber nicht unbedingt ableiten, dass auch sehr viel mehr Leute Koks konsumieren, sagt Ralf Wischnewski von der Drogenhilfe Köln

An Kokain heranzukommen, ist relativ einfach, sagt Ralf Wischnewski. Wer nachfragt, findet den Weg zum Dealer. Die Droge kann der Konsument im Umkreis von Discotheken und Clubs kaufen, an bestimmten Plätzen in der Stadt, die die Drogenszene bevorzugt, per Post über das Darknet oder, wie immer noch am häufigsten, über Freunde von Freunden erwerben.

Zahl der Konsumenten hat sich nur geringfügig erhöht

Obwohl die Menge an sichergestelltem Kokain in den letzten Jahren um 500 Prozent angestiegen ist, gibt es diesen extremen Anstieg bei den Konsumenten nicht. In den letzten ein, zwei Jahren ist die Zahl der erwachsenen Kokainkonsumenten um circa ein Prozent angestiegen, sagt Ralf Wischnewski von der Drogenhilfe Köln. Allerdings ist sowohl bei den Mengen an Kokain, das in Umlauf ist, also auch bei der Anzahl an Konsumenten davon auszugehen, dass die Dunkelziffer höher ist.

"Die Leute, die bei uns ankommen, sind nur ein sehr geringer Teil von denen, die konsumieren. Und leider auch nur ein geringer Teil von denen, die problematisch konsumieren. Nicht alle, die ein Problem haben, holen sich Hilfe."
Ralf Wischnewski, Drogenhilfe Köln

Drei Gruppen von typischen Kokainkonsumenten benennt Ralf Wischnewski von der Drogenhilfe Köln:

  1. Erwerbstätige Erwachsene, die die Droge nehmen, um ihre berufliche Leistung zu steigern
  2. Menschen, die den aufputschenden Effekt nutzen, um das ganze Wochenende durchfeiern zu können
  3. Heroinabhängige, die auch Kokain konsumieren.

Ziel der Drogenberatung

Grundsätzlich ist es das Ziel der Drogenhilfe, dass die Menschen, die sich beraten lassen, langfristig ganz von Drogen wegkommen. Allerdings kommen auch Konsumenten zur Drogenhilfe Köln, die weiterhin Kokain einnehmen, aber das Risiko des Konsums ein wenig minimieren wollen. Auch das wird von den Beratern akzeptiert. In diesen Fällen werden Regeln für den Konsum festgelegt. Ralf Wischnewski sagt, dass es beispielsweise gefährlich ist, wenn ein Kokainabhängiger Angst davor hat, den Rausch abklingen zu lassen, und immer wieder nachlegt.

Vom Angsthasen zum Partyhengst

Kokain hat ein hohes Potenzial abhängig zu machen, sagt der Berater von der Drogenhilfe Köln. Das liegt zum einen daran, dass es eine aufputschende Substanz ist und zum anderen daran, dass Kokain das Ego steigert, so nennt es Ralf Wischnewski. Wenn durch die Droge das Selbstbewusstsein gestärkt wird, besteht die Gefahr, dass der Konsument eine starke Gier danach entwickelt, dieses Gefühl wieder zu erleben und auch nicht abflauen zu lassen.

"Wenn Kokain bei jemandem etwas gut bedient, dann ist die Lust danach, die Gier danach, sehr hoch. Kokain ist ja eine Substanz, die das Ego steigert und wenn das bei jemandem gut funktioniert, ist natürlich die Gefahr sehr groß, dass derjenige sagt, ich will dieses Gefühl wieder haben."
Ralf Wischnewski, Drogenhilfe Köln

Psychische und körperliche Gefahren

Zum einen wirkt Kokain auf der psychischen Ebene, sagt Ralf Wischnewski: Eine psychische Abhängigkeit kann entstehen. Die Droge kann auch unsere Persönlichkeit verändern und bei starkem Drogenkonsum kann es zu Wahnvorstellungen kommen.

Auf der körperlichen Ebene kann die Droge Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben. Langzeitfolgen können Herzinfarkte oder Schlaganfälle sein.