Für manche ist Kokosfett gesund – für eine Ernährungsforscherin ist es ein Gift. Wir haben uns das Öl und die Diskussion darüber genauer angesehen.

Kokosöl hat besonders bei Menschen, die sich bewusst ernähren wollen, einen guten Ruf und wird als Superfood vermarktet. Karin Michels ist anderer Ansicht. Sie ist Professorin für Epidemiologie und untersucht also Ursachen und Folgen von gesundheitsbezogenen Ereignissen bei größeren Menschengruppen.

Ihr Video zu vermeintlichen Superfoods wurde in den vergangenen Wochen mehr als 820.000 Mal geklickt. Darin sagt sie, dass Kokosöl weder schlank mache, noch eine antivirale Wirkung habe – alles nur ein Hype. Eigentlich sei Kokosöl schlimmer als Schweineschmalz – ein Gift. Unser Reporter Pascal Fischer hat sich umgehört.

Kokosöl – fast nur gesättigte Fette

Kokosöl besteht zu 92 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Das erhöht das Risiko für Herzinfarkte. Das Öl hilft nicht beim Abnehmen, denn es ist sehr kalorienhaltig. Gegen Karies ist es wirkungslos und es macht auch die Haare nicht schöner.

"Um das Kokosöl ranken sich alle möglichen Geschichten. Es ist alles völliger Quatsch. Das Kokosöl ist eines der schlimmsten Nahrungsmittel, die sie überhaupt zu sich nehmen können!"

Das sagt Karin Michels in ihrem Vortrag ungefähr bei 5:17– an diesem Punkt beginnt auch das Video hier auf unserer Seite. Der Vortrag ist insgesamt von Beginn am empfehlenswert.

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Unser Reporter hat auch mit Stefan Lorkowski gesprochen. Er ist Biochemiker und Ernährungsforscher an der Uni Jena. Er sagt zwar, dass es bei allen Lebensmitteln – auch bei Kokosöl – auf die Menge ankomme, gibt Karin Michels aber grundsätzlich recht.

"Kokosöl als reines Gift zu bezeichnen, so weit würde ich nicht gehen. Dann könnten sie genauso gut sagen: Schweineschmalz und Butter sind Gift. Die Simplifizierung führt dazu, dass einige Sachen nicht ganz korrekt sind. Im Grunde hat sie aber recht."

Stefan Lorkowski sagt, dass Karin Michels dramatisieren würde, denn deutsche Einrichtungen hätten sehr wohl vor Kokosöl gewarnt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt die sparsame Verwendung, wie bei Butter, Sahne, Schmalz und Speck auch. Allerdings hat zuvor im Juni 2018 die American Heart Association eine ähnliche Empfehlung ausgesprochen.

Kein Superfood und eine schlechte Umweltbilanz

Stefan Lorkowski weist darauf hin, dass sich Cholesterin in den Gefäßen ablagern würde, nicht ungesättigte Fette. Insgesamt sind er und Karin Michels jedoch einig: Kokosöl ist kein Superfood.

Auch die Umweltbilanz des Öls ist nicht besser als jene von beispielsweise Palmöl. Bei Palmöl nimmt man einen Ertrag von 3,3 Tonnen pro Hektar an, bei Kokosöl hingegen nur 0,7 Tonnen pro Hektar. Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg meint, dass ein stärkerer Konsum von Kokosöl in den westlichen Industrienationen eine zusätzliche Gefährdung für die tropischen Regenwälder darstellt.

"Es wäre schlimm, wenn noch weiter Regenwälder gerodet würden, nur um Kokospalmen anzubauen. Wenn man das ausweitet, ist das sicher eine Ökosünde."
Silke Schwartau, Verbraucherzentrale Hamburg, Leiterin Ernährungsabteilung

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