Nord- und Südamerika sind stark vom Coronavirus Sars-CoV-2 betroffen. In Kolumbien zum Beispiel gilt seit Ende März eine Ausgangssperre. Unser Reporter Julian Ignatowitsch war gerade auf Reisen - und hängt seitdem fest.

Das öffentliche Leben in Kolumbien ist gerade sehr stark eingeschränkt, berichtet Julian Ignatowitsch aus dem Norden des Landes. Bars, Diskotheken oder Hotels sind seit Monaten geschlossen, Restaurants öffnen vereinzelt wieder – sofern sie die verhängten Sicherheitsmaßnahmen umsetzen können.

Rund 88.800 Corona-Fälle sind unter den 50 Millionen Kolumbianern gerade bekannt. Mehr als 3.000 Menschen sind in Zusammenhang mit Covid-19 gestorben - siehe die aktuellen Zahlen der Johns-Hopkins-Universität.

Nur Supermärkte und Apotheken konnten ihre Geschäfte regulär offenhalten. Wer wann das Haus verlassen darf, ist über die Personalausweisnummer geregelt: An geraden Tagen gilt für gerade Nummern eine Ausgangssperre und umgekehrt.

Ähnliche Restriktionen gibt es offiziell auch für den Verkehr. Für Fahrten innerhalb des Landes, wie von Stadt zu Stadt, brauchen Autofahrerinnen und Autofahrer einen triftigen Grund und eine Genehmigung. Landesweite Flüge sind bis Ende Juni gestoppt, internationale Flüge sind bis zum 31. August ausgesetzt.

Aus Urlaub wird Dauerstopp

Für Julian Ignatowitsch bedeutet das erst mal: Er sitzt weiterhin in Kolumbien fest. Julian arbeitet oft für Deutschlandfunk Nova. Anfang März wollte er privat für wenige Wochen seine kolumbianische Freundin besuchen und mit ihr durch das Land reisen. Aus ihrem Urlaubsstopp im Küstenort Palomino im Norden Kolumbiens, ist nun übergangsweise ihr Zuhause geworden. Bisher rechnet er damit, dass eine Rückreise nach Deutschland im September wieder möglich ist. Aber auch das kann sich bis dahin noch verändern, sagt er.

Handeln der Regierung wenig transparent

Denn: Die Sicherheitsmaßnahmen der Regierung unter Präsident Iván Duque würden seit ihrem Beginn etwa alle zwei Wochen verlängert. Ein langfristiger Plan sei nicht erkennbar, berichtet Julian. Anders als bei der deutschen Regierung, fehle es in Kolumbien an Transparenz. "Für mich als Europäer wirkt hier einerseits vieles generell autoritärer und andererseits auch widersprüchlicher", sagt er.

"Kolumbien setzt sehr stark auf Prävention, weil das Gesundheitssystem vergleichsweise schlecht ausgebaut ist. Viele Menschen haben keine Krankenversicherung."
Julian Ignatowitsch ist in Kolumbien gestrandet

Die landesweite Ausgangssperre macht zum Beispiel deutlich, dass Kolumbien bei den Sicherheitsmaßnahmen auf Prävention setzt. Das liegt unter anderem an dem vergleichsweise schlecht ausgebauten Gesundheitssystem, erklärt er, viele Menschen seien auch nicht krankenversichert. Nehmen die Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus zu, führe das in der Folge zu einer drastischeren Lage.

Gleichzeitig sorgt die Regierung Kolumbiens für Aktionen, die absurd scheinen, so unser Reporter. Vergangene Woche hat Präsident Duque beispielsweise verfügt, die Mehrwertsteuer einmalig aufzuheben. Es sollte ein Anreiz für die Menschen sein, einzukaufen. Dadurch kam es wiederum zu großen Menschenmassen vor und in den Supermärkten, erzählt er.

Menschen halten Sicherheitmaßnahmen ein

Davon abgesehen würden sich die Menschen in Kolumbien mehrheitlich an die Sicherheitsmaßnahmen halten und damit auch das Handeln des Präsidenten unterstützen. Gerade weil sie sich über die Verhältnisse der Gesundheitsversorgung bewusst sind, sagt Julian.

Zumal es auch hierbei regionale und soziale Unterschiede gebe. In dem Küstenort, wo Julian gerade lebt, seien bisher keine Corona-Fälle bekannt gewesen. Ähnlich verhält es sich für andere Dorfregionen im Norden des Landes. Hier kam es vereinzelt zu Corona-Infektionen, so unser Reporter. Zum Vergleich: In der Hauptstadt Bogotá leben über sieben Millionen Menschen. Die Bedrohungslage ist dort eine andere.

Undifferenzierte Südamerika-Berichte

Auch zwischen wohlhabende Vierteln und sozial schwächeren Vierteln müsse unterschieden werden. In Letzteren leben die Menschen enger zusammen und können sich dadurch weniger gut schützen, sagt er. Diese differenzierte Perspektive fehle ihm gerade in der Berichterstattung.

"Man kann natürlich nicht von dem einen Südamerika sprechen. Man muss regional schauen und auch die unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten betrachten."
Julian Ignatowitsch ist in Kolumbien gestrandet

Julian und seine Freundin fühlen sich aktuell im Küstenort Palomino allerdings sicher. "Man gewöhnt sich im Großen und Ganzen an die karibische Gelassenheit", erklärt er.