Ein Hund, der zur Begrüßung energisch mit dem Schwanz wedelt und uns auf Schritt und Tritt folgt – das klingt erst mal nach einer engen Mensch-Hund-Beziehung, kann aber unter Umständen genau das Gegenteil bedeuten.

In einer neuen Studie von chilenischen Forscherinnen heißt es: Viele Hundehalterinnen und Hundehalter überschätzen womöglich die enge Beziehung zwischen ihnen und ihrem Hund. Auch Alexandra Schlump, Hundetrainerin aus Köln, sagt: Viele Signale von Hunden werden komplett falsch gedeutet, weil wir Menschen uns gerne an menschlichen Signalen orientieren. Hunde haben aber ihre ganz eigene Sprache.

Immer die ganze Körpersprache betrachten

Beispielsweise kann allein das Schwanzwedeln Unterschiedliches ausdrücken: Ein ganz weiches Wedeln kann in der Tat ein Ausdruck von Freude und dem Wunsch nach sozialer Annäherung signalisieren. Ein hektisches Pendeln dagegen signalisiert eher Erregung und hat mit Freude nur noch wenig zu tun, erklärt Alexandra Schlump. Deswegen sollten sich Hundebesitzerinnen immer die ganze Körpersprache ihrer Hunde anschauen.

"Man muss sich bei dem Hund immer die ganze Körpersprache anschauen und gucken: Was strahlt der Hund aus?"
Alexandra Schlump, Hundetrainerin

Sind allgemein eher weiche Bewegungen zu beobachten wie zurückgelegte Ohren, dann ist das kein Zeichen von Unterwürfigkeit oder Angst, sondern ein Wunsch nach Annäherung. So begrüßen sich auch Hunde untereinander, die sich mögen, sagt Alexandra Schlump. Hektische Bewegungen dagegen bedeuten auch hier eher Erregung.

Orientierung beim Besitzer suchen

Neben der Begrüßung können Hundebesitzer noch auf andere Signale achten, um herauszufinden, ob ihr Hund sie wirklich mag. Wenn sich der Hund beim Spazieren gehen, an seinem Herrchen oder Frauchen orientiert und immer wieder Blickkontakt sucht, ist das ein Zeichen von Zuneigung.

Auch Hunde, die in Konflikt- oder Angstsituationen die Nähe ihrer Besitzerin suchen, anstatt wegzulaufen, zeigen damit, dass sie ihr Frauchen mögen.

Vermeintliche Zuneigung

Es gibt aber auch Zeichen, die von Hundebesitzern gerne als Zuneigungsbekundung gedeutet werden, die Hunde damit aber etwas anderes ausdrücken. Beispielsweise haben Hunde, die ihrem Herrchen auf Schritt und Tritt folgen und als anhänglich gesehen werden, eher einen Kontrollzwang anstatt liebevollem Interesse an ihrem Herrchen.

"Leute sagen oft: 'Ja der Hund läuft mir überall hinterher, der ist total anhänglich.' Oft ist das eher so ein Kontrollzwang des Hundes."
Alexandra Schlump, Hundetrainerin

Diese Hunde wollen dann permanent kontrollieren, was ihre Besitzer machen. Hunde, die ihren Besitzern dagegen vertrauen, bleiben auch gerne mal in einem Zimmer entspannt liegen und haben nicht das Bedürfnis, jeden Schritt kontrollieren zu müssen.

Bürohund Mona
© Deutschlandfunk Nova | Elke Hofmann
Redaktionshund Mona - sorgte tiefenentspannt immer auch für entspannte Menschen ...

Hunde haben kein schlechtes Gewissen

Ein weiteres Beispiel: Hat man seinen Hund alleine gelassen und dieser hat in der Zwischenzeit etwas kaputt gemacht, reagieren Hundebesitzer- und besitzerinnen oft wütend. Die Hunde wiederum reagieren dann häufig mit einer unterwürfigen Körpersprache. Viele Menschen denken dann, dass der Hund damit zeige, dass er genau wisse, was er falsch gemacht hat.

Tatsächlich reagieren Hunde in diesem Moment nur auf die wütende Körpersprache ihrer Besitzer und gehen in eine defensive Haltung. Für uns Menschen sehe das oft so aus, als hätten die Hunde dann eine Art schlechtes Gewissen, erklärt Alexandra Schlump.

Vermenschlichung kann Hunde verwirren

Ein weiteres Missverständnis: Viele Menschen suchen vor allem in kleinen Hunden menschliche Züge, ziehen ihnen kleine Klamotten an und überschütten sie mit Liebe. Das hält die Hundetrainerin Alexandra Schlump nicht für sinnvoll. Oft seien die kleinen Hunde auch diejenigen, die am meisten kläffen, was daran liege, dass die Hunde von ihren Besitzerinnen so viel Freiheit bekommen würden und so viel dürften, dass sie damit eigentlich nur überfordert seien, sagt Alexandra Schlump.

Hunde bräuchten kein demokratisches Zusammenleben, sondern hierarchische Strukturen mit klaren Regeln, in denen sie sich bewegen dürfen und dadurch sicher fühlen.

"Ein Hund braucht keine komplette Zuneigungsbekundung, sondern eine liebevolle Konsequenz, Regeln und Grenzen, innerhalb derer er sich dann wieder frei bewegen kann."
Alexandra Schlump, Hundetrainerin