Sprachbilder können komplizierte Dinge erklären. Manchmal sind sie allerdings auch selbst eine Botschaft und dann vielleicht auch ein Problem.

Politik wird zum Fußballspiel, die Zeit zu einer Reise: Sprachbilder sollen komplexe Themen vereinfachen. Der Virologe Christian Drosten vergleicht beispielsweise gerne den Pandemieverlauf mit einer Autofahrt. Er fächert das Bild dann in verschiedene Autoteile auf, spricht auch von Überholspuren, Beschaffenheit des Weges und vielleicht auch vom Licht am Ende des Tunnels.

Metaphern, Vergleiche und Analogien helfen grundsätzlich dabei, Komplexität zu verstehen, bestätigt der Rhetorik-Trainer Moritz Kirchner. Mit diesen Mitteln entstehe im besten Fall lebensweltliche Relevanz, wie er sagt.

"Es geht darum, Dinge, die man vielleicht nicht versteht, in Dinge zu übersetzen, die man versteht, und damit etwas zu schaffen, das man als lebensweltliche Relevanz bezeichnet."
Moritz Kirchner, Rhetorik-Trainer und Politikwissenschaftler

Die Autofahrtvergleiche von Christian Drosten zeigten aber auch die Grenzen sprachlicher Bilder, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt. Er sagt: "Irgendwann wird es dann ein bisschen verwirrend. Wofür steht jetzt noch mal der Motor? Und die Reifen der Autos? Was bedeutet das alles konkret?"

Metaphern als Botschaft

Mehr noch: Die Wahl von Metaphern kann auch ganz deutlich die Meinungsbildung beeinflussen. Solche Effekte hat eine psychologische Studie von Forschenden der Stanford University nachgewiesen.

Die Studienteilnehmenden bekamen zwei Versionen eines Textes vorgelegt. Darin ging es um Kriminalitätsprobleme in einer fiktiven Stadt. Einziger Unterschied zwischen beiden Versionen: die Metapher für Kriminalität. Einmal wurde sie als wildes Tier bezeichnet und in der andern Fassung als Virus.

Psychologische Effekte

Die Studienteilnehmenden, die von der Kriminalität als wildem Tier gelesen hatten, schlugen eher vor, Kriminelle hartnäckig zu jagen und in den Knast zu stecken. Jene Studienteilnehmende, denen die Kriminalität als Virus beschrieben worden war, schlugen häufiger einen softeren Weg vor: Ursachenforschung, Bildungsprogramme, Armutsbekämpfung.

Metaphern und Vergleiche enthielten eben selbst häufig bereits eine Botschaft, sagt Moritz Kirchner. Werde ein sprachliches Bild oder ein Vergleich nicht sorgfältig gewählt, könne dieses Mittel verzerrend wirken.

"Was ist die Moral, die Botschaft, die sich aus der Metapher oder dem Vergleich ergibt? Man könnte es möglicherweise an der Stelle auch übertreiben."
Moritz Kirchner, Rhetorik-Trainer und Politikwissenschaftler