Wenn Einsiedlerkrebse wachsen, dann müssen sie sich ein größeres Schneckenhaus suchen. Oft kommt es zu richtigen Haustausch-Treffen, an denen die kleinen Tiere versuchen, das beste Haus zu ergattern – ohne Rücksicht auf Verluste.

Einsiedlerkrebse haben im Gegensatz zu anderen Krebsen keinen harten Chitinpanzer, der ihren weichen Hinterleib vor Fressfeinden wie Meeresvögeln schützt. Deshalb müssen sie sich einen zusätzlichen Schutz suchen. Meistens holen sie sich ein leeres Schneckenhaus und stülpen es über ihren schutzbedürftigen Hinterleib.

Wenn die Schutzhülle zu klein wird

Wachsen die Einsiedlerkrebse, wächst ihr Schneckenhaus allerdings nicht mit. Andere Krebsarten wie beispielsweise der Hummer werfen ihren Chitinpanzer einfach ab und bilden einen neuen, größeren Panzer aus.

Die Einsiedlerkrebse müssen sich dagegen einen neuen Schutz suchen. Das machen sie meist in größeren Ansammlungen, bei denen sie ihre "Häuser" untereinander tauschen. Denn da sie an Land leben, ist die Auswahl nicht so groß wie unter Wasser. Bei diesen "Haustausch-Versammlungen" geht es sehr schnell, denn die kleinen Krebse versuchen, so kurz wie möglich ungeschützt zu sein.

Blitzschneller Haustausch

Ein Haustausch läuft so ab: Versammeln sich mehr als drei Einsiedlerkrebse, dann kommen in kürzester Zeit immer weitere hinzu. Die Einsiedlerkrebse stellen sich dann in einer Schlange der Größe ihres Hauses nach auf und dann versucht jeder Krebs sein Gehäuse gegen ein größeres zu tauschen. Dabei zerren die Einsiedlerkrebse ihre Artgenossen regelrecht aus ihren Häusern heraus. Gelingt das, krabbeln sie nahezu gleichzeitig noch in ihr neues Haus hinein.

"Die Einsiedlerkrebse ordnen sich - ähnlich wie eine Polonaise - der Größe ihrer Gehäuse nach an. Und dann versucht jeder Krebs sein Gehäuse gegen ein größeres Gehäuse zu tauschen."
Mario Ludwig, Biologe

Das bedeutet aber auch, dass am Ende einer der Einsiedlerkrebse leer ausgehen muss. Oft vertrocknet dieser oder wird Opfer von Fressfeinden. Das hat ein Forscher der Berkeley University beobachtet.

Heimtückisches Plastikhaus

Aber auch die zunehmende Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll trägt dazu bei, dass viele Einsiedlerkrebse auf der Suche nach einem neuen Zuhause sterben müssen. Das kann beispielsweise gut auf Henderson Island im Südpazifik beobachtet werden. Diese Insel zählt aufgrund ihres artenreichen Ökosystems seit 1988 zum Unesco-Welterbe, sie gilt aber auch als der Ort mit einer der größten Plastikmüll-Dichte weltweit. Bis 670 Plastikteile liegen dort auf einem Quadratmeter Strand.

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Sind Einsiedlerkrebse dort auf der Suche nach einer neuen Schutzhülle, krabbeln sie oft in offene Plastikflaschen oder andere Behälter – und kommen dort meistens nicht mehr heraus. Zeigt beispielsweise die Öffnung der Flasche nach oben, dann fallen die Krebse regelrecht in die Flaschen rein und sterben letztlich in dem Plastikgefängnis.

"Auf der Suche nach einer geeigneten Behausung kriechen viele Einsiedlerkrebse in offene Plastikflaschen oder andere Behälter, die am Strand liegen, rein und kommen dann in vielen Fällen nicht mehr heraus."
Mario Ludwig, Biologe

Verwesen die Krebse darin, kann das eine fatale Kettenreaktion auslösen: Durch den Verwesungsgeruch werden wieder neue Einsiedlerkrebse angelockt, die aufgrund des Geruchs annehmen, die Behausung sei frei geworden. Bisher sind nach Schätzungen rund 500.000 Einsiedlerkrebse auf der Insel durch den Plastikmüll ums Leben gekommen.