Viel Geld für Konzertkarten ausgeben – ja oder nein? Wegbleiben, weil wir Sorge haben, uns mit einem Virus anzustecken – ja oder nein? Viele Musiker*innen befürchten, ohne Publikum dazustehen und sagen deswegen Konzerttouren ab. Denn auch das bringt finanzielle Risiken mit sich.

Der Musiker Daniel Pongratz aka. Danger Dan muss sich im Grunde keine Sorgen machen. Seine Auftritte in diesem Jahr sind ausverkauft. Für seine Konzerte im kommenden Jahr gibt es noch vereinzelt Tickets, sagt er.

"Ich bin wirklich eine Ausnahmen gerade. Es wäre schade, wenn man die Situation aufgrund meiner Instagram-Fotos bewerten würde, auf denen ich immer ein ausverkauftes Haus zeige."
Danger Dan, Musiker

Dass seine Konzerte stattfinden, ist die Grundlage dafür, dass er von seiner Musik leben kann, da er sein Geld hauptsächlich mit Live-Shows verdient. Das, was er über Musik-Streamingdienste einnimmt, würde finanziell nicht ausreichen.

Danger Dan im Mai 2022 live in der Faust-60er-Jahre-Halle in Hannover.
© IMAGO / Future Image
Danger Dan im Mai 2022 live in der Faust-60er-Jahre-Halle in Hannover.

"Streaming ist das, womit Musiker, wenn sie Musik veröffentlichen, Geld verdienen. Und das ist natürlich jetzt viel weniger, als es das in den 90ern war", sagt der Musiker.

Aber es geht nicht alleine ums Geld. Bühnenauftritte sind zwar "der finanzielle Standpfeiler, auf dem wir stehen", sagt der Musiker, "aber auch das, wovon wir zehren."

Sowohl für ihn als Musiker als auch für das Publikum sei es wichtig, Musik live zu erleben: der Moment auf der Bühne, mit den Lichtern, der Stimmung und der Möglichkeit, etwas zusammen zu erleben und gemeinsam zu feiern. Das macht für Danger Dan unter anderem auch das Musiker-Sein aus.

Steigende Lebenshaltungskosten - weniger Geld für Konzerttickets übrig

Für seine Band Antilopen Gang sieht es da schon etwas anders aus: Die Musiker überlegen, ob sie ihre Konzerte in eine kleinere Halle verlegen. Rund ein Drittel der Konzertbesucher, die eine Karte hatten, seien vor Kurzem nicht zu einem Konzert in Berlin erschienen.

Christoph Neder, Pressesprecher bei Target Concerts
"Bei einem Großteil unserer Veranstaltungen spürt man schon einen deutlich schwächeren Vorverkauf als vor der Pandemie."

Zum Teil wohl, weil Konzerte in den vergangenen Jahren oft mehrfach verschoben wurden und möglicherweise wohl auch, weil sich Konzertbesucher vor einer Virusinfektion schützen möchte.

Aber auch diese No-Show-Rate, wie Danger Dan es nennt, bedeutet ein finanzielles Risiko für die Bands, Musiker*innen, Management und Crews. Denn die Einnahmen für diese Tickets können in der Regel erst nach zwei Jahren abgerechnet werden, sagt Danger Dan im Interview mit Deutschlandfunk Nova. "Es ist wichtig, das alle mitkriegen, dass es meistens darum geht, das zu wenig Leute kommen."

Ein weiteres Problem, mit dem die Musikbranche sich zurzeit konfrontiert sieht, ist der Fachkräftemangel. Während der Pandemie sind viele Menschen in andere Branchen abgewandert und es gibt wenig Nachwuchs. Das mache die Vorbereitung für Festivals und Konzerte deutlich komplexer, sagt Christoph Neder, der Pressesprecher von Target Concerts.

Konzertabsagen: "Meistens kommen zu wenige Leute"

Danger Dan findet es wichtig, mit der aktuellen Situation offen umzugehen. Er sagt, dass im Moment "viele Touren aus 'produktionstechnischen Gründen' abgesagt werden."

"Wenn man will, dass das weiter stattfindet, wenn man die Bands weiter sehen will, dann muss man auch auf Konzerte gehen."
Danger Dan, Musiker

Besser fände er es, die Gründe "ganz selbstbewusst" offenzulegen und zu sagen, dass der Vorkauf schlecht laufe. Obwohl er auch verstehen könne, dass das für Musiker*innen unangenehm sei, weil es möglicherweise so verstanden werden könnte, dass diese Künstler*innen zurzeit nicht so gefragt seien.