Sergio Canavero möchte gerne Köpfe transplantieren - mit tödlichem Risiko für seine Patienten. Unterstützung erhält er von einem Spezialisten aus China. Darüber haben wir mit dem Kriminalbiologen Mark Benecke gesprochen.

Seit Jahren kündigt er die erste Transplantation eines menschlichen Kopfes an: der Neurochirurg Sergio Canavero. Nun soll sie 2018 wirklich stattfinden - in China.

Das hat Sergio Canavero sich schon genau ausgemalt: In einem mindestens 200 Quadratmeter großen Operationssaal arbeiten Spezialisten an Spendern und Empfängern, die fixiert in Metallgestellen sitzen. "100 Experten aus aller Welt werden diesen monumentalen Eingriff wagen", schreibt der italienische Mediziner in seinem Buch Medicus Magnus.

Versuch erfolglos, Affe tot

Er will der erste sein, der mit der Transplantation eines Menschenkopfes in die Geschichtsbücher eingeht. Fachkollegen sind wenig begeistert oder lehnen das Vorhaben grundsätzlich ab.

Ursprünglich für 2017 angekündigt, soll nun im Frühjahr 2018 der Kopf eines schwerkranken Menschen auf den Körper eines hirntoten Spenders gesetzt werden. Ohne jedwede wissenschaftliche Vorstufe - von der erfolglosen Transplantation eines Affenkopfes abgesehen.

"Das Schlimme ist bei dem Affen, dass der nie das Bewusstsein erlangt hat."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Weitgehend ohne Probleme verlief die Verbindung von:

  • Blutgefäßen
  • Muskeln
  • Haut

Größte Schwierigkeiten bereitet den Medizinern das Verbinden durchtrennter Nerven.

"Die Herausforderungen sind eigentlich vor allem die Nervenstränge. Dafür gibt es jetzt einen besseren Kleber - der hat den schönen Namen Poly-Beta-(1-4)-D-Glukosamin."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Hat der Patient nicht ein hohes Risiko, beim Umsetzen seines Kopfes zu sterben? "Ja, hat er", schreibt Canavero. "Jede andere Aussage wäre nicht ehrlich."

Sergio Canaveros Partner ist Ren Xiaoping von der Medizinischen Universität in Harbin in Nordostchina. Er ist allerdings weitaus zurückhaltender; was Ankündigungen angeht. "Es ist noch ein langer Weg bis zu einer Kopftransplantation", wurde Ren Xiaoping kürzlich von der Pekinger Zeitung Xinjingbao zitiert. "Wann können wir es machen? Ich weiß es auch nicht."

Mit Leichen zum Operationsmodell

Zur Vorbereitung gab es einen Versuch mit Leichen. Damit sei aber lediglich ein erstes Operationsmodell geschaffen worden, erklärte Ren Xiaoping vor Journalisten.

Wird der riskante Transplantationsversuch dann am Ende von den chinesischen Behörden gar nicht erst genehmigt?

"Doch, ich denke die Chinesen werden es am Ende erlauben."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

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