Unser Gesundheitssystem ist gut auf COVID-19 vorbereitet. Das sagt etwa Gesundheitsminister Jens Spahn. Doch das sehen nicht alle so. Jeannine Sturm ist Krankenpflegerin und erklärt, dass die Pflege, aus ihrer Sicht, nicht auf das Virus vorbereitet sei.

Jeannine Sturm arbeitet als Leasing-Kraft in Berlin in unterschiedlichen Stationen und Krankenhäusern. Sie sagt, durch das wenige Personal nehme die Qualität der Patientenversorgung ohnehin schon ab. Jetzt komme noch das neue Coronavirus erschwerend hinzu.

"Diese Epidemie zeigt uns auf dramatische Weise, wohin wir uns entwickeln."
Jeannine Sturm, Krankenpflegerin
Portrait der Krankenpflegerin Jeanine Sturm
© Deutschlandfunk Nova | Jeanine Sturm
Jeannine Sturm

Jeannine Sturm sagt, sie habe keine Angst infizierte Patienten zu betreuen, aber der Material- und Personalmangel machten ihr Angst und lösten bei ihr Frust aus. Man sei auf die aktuelle Situation nicht vorbereitet. Sie sorge sich auch um ihre Patientinnen und Patienten, für die sie nicht genug Zeit habe, um sie angemessen zu pflegen.

"Man sieht ganz eindeutig, dass wir nicht darauf vorbereitet sind."
Jeannine Sturm, Krankenpflegerin

In der jetzigen Situation wisse man nicht einmal, wie viel Pflegepersonal nötig sei, sagt Jeannine Sturm. Das Wichtigste sei, dass man sich einen Überblick verschaffe. Es gebe zwar Studien und Bemessungssysteme, um den Bedarf an Personal aufzuzeigen, im Moment würden dabei leider aber nur marktwirtschaftliche Kategorien angewendet.

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Auch der Krankenpfleger Alexander Jorde – bekannt geworden durch die ARD-Wahlarena 2017 – übt gerade deutliche Kritik am deutschen Gesundheitssystem. "Unser Gesundheitssystem stand schon vor dem Coronavirus am Rande des Abgrunds", schreibt er auf Twitter. Er fordert sofortige Gefahrenzulage für alle in der direkten Versorgung eingebunden Mitarbeiterinnen, tägliche Abstriche von Mitarbeitern mit längerem direkten Kontakt zu Corona-Patienten und die Einhaltung von arbeitsrechtlichen Grundlagen, wie Ruhezeiten und maximale Wochenarbeitszeit.