Durch schlechte Atemluft in der Passagierkabine und im Cockpit von Flugzeugen steigt das Krankheitsrisiko von Reisenden und Crew. Piloten und Flugbegleiter protestieren dagegen: Die Piloten-Vereinigung Cockpit schätzt, dass es bei einem von 2000 Flügen zu einem Unfall mit vergifteter Kabinenluft kommt. Aber wie kommt die schmutzige Luft überhaupt in den Flieger?

"Diejenigen, die das beruflich machen, können sich nicht wirklich gegen die schmutzige Luft schützen. Da muss was getan werden."
Dieter Scholz, Department Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg

In Flugzeug verdichtet ein Kompressor die Luft, erklärt Prof. Dieter Scholz vom Department Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Danach kommt die Luft in die Brennkammer und anschließend geht's durch die Turbine raus – so entsteht der Schub.

  • Die Luft, die in den Kompressor reinkommt, ist die (mehr oder weniger) frische Luft von draußen – diese Luft wird in die Kabine geleitet
  • Das Problem ist, dass die Triebwerke sehr groß sind und sehr heiß werden, sie brauchen Lager und die müssen geschmiert werden
  • Damit der Schmierstoff nicht in die Luft des Kompressors gelangt, sind dort Dichtungen 
  • Diese "Labyrinth-Dichtungen" sind aber nicht hundertprozentig dicht, weil dort "berührungsbehaftete Dichtungen" (wie sie etwa beim Motorradmotor verwendet werden) nicht funktionieren würden
  • Geringste Mengen an Öl können so in den Verdichter gelangen, die dann dort bei höchsten Temperaturen verbrennen – und so in der Kabinenluft landen

Giftige Zusätze

Je nach Modell gibt es in Flugzeugen verschiedene Klimatisierungszonen, etwa "Cockpit" und "Kabine". Die Piloten bekommen dadurch manchmal weniger "rezirkulierte Luft" ab, das heißt also mehr Luft, die direkt durch das Triebwerk kommt – ihre Belastung ist dann höher.

Die Öle haben bestimmte Zusätze, die giftig sind, sagt Scholz. 

"130 Substanzen sind in dem verbrannten Öl gefunden – und als sehr bedenklich eingestuft - worden."
Dieter Scholz, Department Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg

Gerade bei Vielfliegern, Piloten und Crew kann das zu gesundheitlichen Langzeitschäden führen, zum Beispiel an den Nerven.