Rund 300.000 Menschen haben am Samstag in Frankreich demonstriert. Es geht dabei um geplante Steuererhöhungen auf Diesel und Benzin. Die Demonstrierenden nennen sich "Gilets Jaunes" – gelbe Westen. Unsere Korrespondentin Barbara Kostolnik findet es schwierig, die Protestierenden auf einen Nenner zu bekommen, weil sie so viele verschiedene Forderungen haben.

Dass es in Frankreich Demonstrationen gibt, ist nichts Besonderes, dass es dabei zu Ausschreitungen kommt und sogar Denkmäler absichtlich beschädigt werden hingegen schon. Am vergangenen Wochenende hat eine Bewegung protestiert, die sich "Gilets Jaunes" nennt – gelbe Westen. In Anlehnung an die gelben Warnwesten, die in Frankreich jeder Autofahrer in seinem Notfallset haben muss. 

Bei den Protesten wurde der Triumphbogen beschmiert und Kunstwerke im Innern zerstört. Autos brannten, Geschäfte wurden geplündert. Mehr als 400 Menschen wurden verletzt. Eine Demonstrantin starb.

"Das ist ein sehr heterogener Haufen. Jeder fordert irgendwas anderes. Und das macht es auch so schwierig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen."
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Die Bewegung gibt es seit einigen Wochen. Zuerst ging es ausschließlich um eine Erhöhung der Steuern auf Diesel und Benzin. Inzwischen richtet sie sich allerdings generell gegen die Politik von Präsident Manuel Macron. 

Barbara Kostolnik ist Korrespondentin in Paris und erklärt, dass die Protestierenden Menschen mit einer großen Wut sind, die die Nase voll haben von steigenden Steuern. Sie sagt aber auch, dass es schwierig sei, diese Gruppe wirklich zu fassen, weil jeder etwas anderes fordere. Insgesamt seien es Menschen, die Angst haben, dass ihr Geld nicht mehr bis zum Monatsende ausreiche und die eine große Wut auf den Präsidenten und die aktuelle Politik teilen.

Gelbe Westen - ein Dilemma für Präsident Manuel Macron

Die Demonstrierende radikalisieren sich zunehmend. Seit dem Wochenende haben sie sich auf das gesamte Land ausgeweitet. Inzwischen brennen auch jenseits der großen Städte Barrikaden.

"Das Problem ist: Seit drei Wochen gibt es die Proteste der gelben Westen und seit drei Wochen haben die das Gefühl, dass sie gar nicht gehört werden."
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Am Wochenende, als in Paris Autos brannten, Scheiben zerstört und Geschäfte geplündert wurden, seien dies nicht nur Demonstrierende gelbe Westen gewesen, sondern es haben sich auch Kriminelle unter die Demonstranten gemischt, die dazu beigetragen haben, dass die Proteste dermaßen in Gewalt umschlugen.

"Man kann nicht sagen, dass die gelben Westen grundsätzlich alle kriminell sind."
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Das große Dilemma des Präsidenten Macron beschreibt unsere Korrespondentin folgendermaßen: Einerseits sei es für Macron kaum möglich zu reagieren, weil die Forderungen der Protestierenden so verschieden seien – sie reichen von der Forderung, die Nationalversammlung aufzulösen bis hin zum Rücktritt Macrons. Das mache es schwierig für den Präsidenten zu reagieren, ohne dabei an Autorität und Glaubwürdigkeit als großer Reformer zu verlieren. Doch Barbara Kostolnik geht davon aus, dass es weitere Ausschreitungen geben dürfte, wenn Macron gar nicht reagiert.

"Wenn er nicht nachgibt, werden nächsten Samstag wieder etliche Geschäfte hinter den Champs Elysées brennen. Und nicht nur dort."
Barbara Kostolnik, Korrespondentin in Paris

Die Pariser sind ziemlich geschockt von den Vorfällen am Wochenende. Denn auch wenn man schon öfter von Krawallen in Paris gehört hat, waren es doch bisher vor allem die Vorstädte, die Banlieus, in der unzufriedene Menschen häufig mit Migrationshintergrund ihren Unmut durch Gewalt geäußert haben. Aber jetzt sind die Proteste mitten in Paris. Auf dem Prachtboulevard Champs Elysées und am Triumphbogen.

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