Vor dem Angriff des russischen Militärs fliehen auch tausende Studierende aus Afrika, die in der Ukraine studiert haben. Einige von ihnen berichten, wie sie auf ihrer Flucht rassistisch diskriminiert worden seien. Zum Beispiel habe man sie davon abgehalten, in Züge nach Polen zu steigen. Davon erzählt auch Blossom, eine 28-jährige Studentin aus Nigeria.

"Als ich einsteigen wollte, schubste mich ein Typ im Zug raus und rief: 'Njet, njet, njet'", erzählt Blossom über ihre Flucht aus der Ukraine. Blossom hat vor dem Beginn des Krieges in Kiew Politikwissenschaften studiert. Sie kommt aus Nigeria und ist eine von rund 15.000 Studierenden aus Afrika, die vor dem russischen Angriff in der Ukraine gelebt haben.

Auf der Suche nach Schutz abgewiesen werden

Die Szene, die Blossom beschreibt, ist in Kiew passiert. Dort wollte sie einen Zug nach Lwiw im Westen des Landes nehmen und dann weiter nach Polen fliehen. Vor ihr haben fünf weiße Menschen den Zug bestiegen, sagt sie. Als sie nach ihnen einsteigen wollte, habe sie ein Mann nach draußen geschubst. Sie sei nach hinten gefallen, eine Freundin habe sie aufgefangen und ihr in den Zug zurück geholfen.

Als sie dann in Lwiw angekommen war, hat sie die Sirene für Luftalarm gehört und wollte zusammen mit anderen afrikanischen Studierenden in einem Geschäft Zuflucht suchen, erzählt die 28-Jährige. Der Besitzer habe viele Schutzsuchende bei sich aufgenommen. Blossom und ihre Gruppe habe er aber nicht hineingelassen. "Wenn da echt eine Bombe gekommen wäre, dann wären wir draußen gestorben", sagt sie.

Mittlerweile ist die Studentin in Polen angekommen. Dort würden ihr viele Menschen helfen, sie mit Essen versorgen und sie könne auch kostenlos Zugfahren.

Der Journalist Malcolm Ohanwe hat Berichte wie den von Blossom recherchiert und mit ihr und anderen Betroffenen gesprochen. Über starke Ungleichbehandlungen und rassistische Diskriminierung von Menschen auf der Flucht würden sich in den vergangenen Tagen Berichte häufen, sagt der Journalist. Auf Social Media würden afrikanische Studierende teilen, was sie erlebt haben, und auf Videos festhalten, wie sie behandelt wurden.

Rassismus Erfahrungen in der Ukraine

Malcolm Ohanwe habe mit weiteren nigerianischen Student*innen gesprochen, beim Außenministerium in Ghana nachgefragt und sich mit anderen Journalist*innen ausgetauscht, die vor Ort seien. Deren Berichte gingen in eine ähnliche Richtung wie das, was Blossom schildert. Sie würden von Fällen rassistischer Diskriminierung innerhalb der Ukraine erzählen. Von den angrenzenden Nachbarländern wie Polen oder Rumänien würden die Studierenden positiv berichten, sagt Malcolm Ohanwe.

"Von dem, was ich herausgefunden habe, ist der Rassismus tatsächlich innerhalb der Ukraine, nicht aber bei den Nachbarstaaten anzusiedeln."
Malcolm Ohanwe, freier Journalist

In der Ukraine haben vor dem Angriff der russischen Truppen etwa 75.000 internationale Studierende gelebt. Fast ein Viertel von ihnen komme aus afrikanischen Ländern wie Marokko, Ägypten, Nigeria und Ghana. Sie haben dort in der Regel auf Englisch studiert. Informationen auf Englisch, wo sie in der jetzigen Situation Schutz bekommen, gebe es keine, berichtet Blossom.

Ihnen fehle der Zugang und die Mittel, sich in Sicherheit zu bringen. "Wie hoch die Dunkelziffer von Menschen ist, die in der Kälte herumstampfen, den Weg nicht finden, weil ihre Handys aus sind, sie vielleicht kein Geld mehr haben und sich die Züge oder ein Taxi nicht leisten können, das kann man gerade nicht wissen", sagt der Journalist.

"Ich will mir nicht ausmalen, wie es den Menschen geht, denen jetzt nicht geholfen wird, die die Sprache nicht beherrschen, die womöglich rassistischer Diskriminierung ausgesetzt sind."
Malcolm Ohanwe, freier Journalist

Unser Bild zeigt aus der Ukraine geflüchtete Menschen am 01. März 2022 in der polnischen Grenzstadt Przemyśl.