Forscher der Uniklinik Heidelberg haben einen ungewöhnlichen Weg zur Veröffentlichung von Studienergebnissen zur Früherkennung von Brustkrebs gewählt. Noch vor dem Ende ihrer Studie, stellten sie ihre Methode in der Bild-Zeitung vor. 

Die Methode, die sich hinter der Studie der Wissenschaftler von der Uniklinik Heidelberg verbirgt, ist die "Flüssige Biopsie". Auch andere Wissenschaftler forschen bereits daran. Mit einem Bluttest wollen die Forscher anhand von Tumormarkern und Biomarkern im Blut erkennen, ob eine Frau an Brustkrebs erkrankt ist, oder nicht. Der Vorteil solch eines Tests wäre, dass man damit auch schon sehr kleine Tumore aufspüren könnte, die sonst eher übersehen werden. 

"Vor allem die junge Frauen profitieren davon, insbesondere Frauen unter 50 Jahren. Eine Frau mit einem höheren Brustkrebs-Risiko profitiert davon: Hier haben wir Trefferquoten um die 80 Prozent. Bei älteren Frauen haben wir geringere Trefferquoten, da sind wir bei knapp 70 Prozent."
Christof Sohn, Uniklinikum Heidelberg

Die Forscher berichten in der Zeitung von Zwischen-Ergebnissen aus ihrer Studie - denn sie ist noch nicht abgeschlossen. Mehr als 500 Brustkrebs-Patientinnen und 400 gesunde Frauen werden im Rahmen dieser Studie untersucht. Der Bluttest hat insgesamt bei 75 Prozent der kranken Patientinnen richtig angeschlagen, es gibt aber Unterschiede je nach Alter, sagt der Heidelberger Forscher Christof Sohn.

Das Problem an den genannten Zahlen ist, dass die Studie zu klein und noch gar nicht abgeschlossen ist. Außerdem wurde sie auch noch nicht in einem anerkanntem Fachjournal veröffentlicht; andere Fachleute konnten die Ergebnisse also bislang nicht bewerten. Bisher gibt es also nur die aktuelle Veröffentlichung in der Bild-Zeitung, außerdem wurde die Studie bei einer Fachtagung vorgestellt. 

Forscher schieben es auf das Patentierungsverfahren

Es ist nicht bekannt, wie oft der Bluttest daneben liegt und einen Fehlalarm verursacht. So etwas kann einen unnötigen Schock bei Patientinnen erzeugen, die möglicherweise gar nicht erkrankt sind. Ein falsches Ergebnis könnte sie über Jahre verunsichern. Deswegen wird in der Forschung Wert darauf gelegt, dass diese Quote möglichst nicht höher als fünf Prozent ist.

Die Forscher sagen, dass ihre Vorgehensweise damit zusammenhängt, dass ihr Bluttest noch im Patentierungs-Verfahren stecke. Inzwischen gibt es auch ein ausgegründetes Unternehmen der Uniklinik, das den Bluttest auf den Markt bringen soll. Ansonsten halten sich die Wissenschaftler bedeckt und geben anderen Forschern noch keine Einblicke, um die Richtigkeit der bisherigen Ergebnisse einzuschätzen. 

"Die Forscher sagen, dass das damit zusammenhängt, dass ihr Test noch im Patentierungs-Verfahren ist. Für Kritiker riecht das ein bisschen danach, dass den Forschern das Geldverdienen am wichtigsten sein könnte."
Britta Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Die Forscher hatten mit ihrer Veröffentlichung in der Bild-Zeitung und durch die Ankündigung einer "medizinischen Sensation" bei einem Fachkongress in Düsseldorf, Kritik an ihrer Vorgehensweise erzeugt. Bei einer Pressekonferenz, in der auch gesagt wurde, dass der Bluttest voraussichtlich im Herbst auf den Markt kommt, äußerten sich die Forscher etwas verhaltener und vorsichtiger. Für Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredakteurin Britta Wagner ein Indiz dafür, dass wohl – trotz der unkonventionellen Vorgehensweise bei der Veröffentlichung – eine gewisse wissenschaftliche Seriosität vorhanden sei.

Der Heidelberger Mediziner Christof Sohn hatte während der Pressekonferenz betont, dass die Forschergruppe mit dem angekündigten Bluttest auf keinen Fall Hoffnungen wecken möchte, die er nicht einhalten kann. Der Bluttest sei auch nicht dazu gedacht, andere Krebserkennungsmethoden, wie zum Beispiel die Mammographie, zu ersetzen.

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