Der Führungsstil des Chefs ist komplett daneben? Nur wie erklärt man ihm das? Gemeinsam mit der Unternehmens- und Teamberaterin Franziska Schölmerich sprechen wir über das Kritisieren im Job.

Franziska Schölmerich ist Unternehmens- und Teamberaterin. Sie sagt: Beim Kritisieren spielen die Persönlichkeit und der eigene Erfahrungshorizont eine elementare Rolle.

Trifft Kritik zum Beispiel nicht auf Wertschätzung, sei die Chance geringer, dass wir in Zukunft unsere Bedenken und Sorgen frei äußern würden.

"Wenn wir in der Vergangenheit kritisiert haben, mal eine Frage gestellt haben, wurde das dann von anderen wertgeschätzt?"
Franziska Schölmerich, Unternehmens- und Teamberaterin

Auch die Atmosphäre ist für eine funktionierende Kritikkultur laut der Expertin ausschlaggebend. Denn wenn wir uns nicht trauen, Kritik zu äußern, kann das auch daran liegen, dass wir Angst haben, vom Arbeitsumfeld als Kritiker oder Nervensägen abgestempelt zu werden. Deshalb sei es besonders hilfreich, wenn Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen uns signalisieren, dass Veränderungsvorschläge und Feedback erwünscht sind.

Das Team als schärfster Kritiker

Aber wer wird schon gern als Rebell bezeichnet? "Ich finde, das ist auf jeden Fall etwas, worauf man stolz sein kann." Problematisch wird das jedoch, wenn wir als Kritiker stets alleine dastehen. Dann kann es sein, dass sich Kollegen und Kolleginnen auf unsere Rebellen-Rolle verlassen, sich selbst aber zurücklehnen und nicht mehr aktiv werden. Deshalb plädiert Franziska dafür, dass mehrere Arbeitnehmende bei einem Problem Kritik üben sollten.

Hilfreich sei es, anderen mitzuteilen, wie wir uns fühlen, und sich mit Gleichgesinnten zusammenzuschließen. Teams, in denen Menschen Bedenken und alternative Vorschläge äußern können, ohne Angst vor negativen Konsequenzen haben zu müssen, haben eine psychologische Sicherheit sagt Franziska.

"Das sind Teams, die ganz besonders gut miteinander lernen, Fehler nicht doppelt zu machen und oft bessere Entscheidungen treffen."
Franziska Schölmerich, Unternehmens- und Teamberaterin

Rückführen lässt sich das darauf, dass die Arbeitsgruppen meist länger diskutieren und vor dem Entscheidungsprozess diverse Perspektiven berücksichtigen.

Die eigenen Erwartungen gegenprüfen

Doch nicht alles an der deutschen Kritikkultur ist schlecht. Im Vergleich zu anderen Kulturen äußern wir Kritik in der Regel direkter. "Gleichzeitig ist es so, dass wir uns in Deutschland noch relativ stark an Hierarchien orientieren." Wenn Personen mit einem höheren Status sprechen, hinterfragen wir deren Aussagen seltener.

Dass Führungskräfte oft wenig nach Feedback fragen, lässt sich auch mit deren Befugnissen erklären. Möglicherweise glauben wir nur, dass Chef XY uns bei einem bestimmten Problem helfen kann. Ob das so ist, erfahren wir nur durch transparente Kommunikation. Vor einem Kritikgespräch ist es deshalb wichtig, die eigenen Erwartungen zu klären. "Was kann diese Person beeinflussen und was vielleicht nicht?"

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