Am Flughafen in Kuala Lumpur stehen drei angeblich herrenlose Boeing-747-Maschinen. In vergleichbaren Fällen hatten die Besitzer oft Geldprobleme, sagt Luftfahrtexperte Cord Schellenberg.

Drei Flugzeuge der Bauart Boeing 747 stehen am Flughafen in Kuala Lumpur und keiner scheint so wirklich zu wissen, wem sie gehören. Eigentlich kann es dafür nur eine Erklärung geben, sagt Luftfahrtexperte Cord Schellenberg: Die Firma, der die Flugzeuge gehören, hat Geldprobleme. Das kann schon mal vorkommen. Cord Schellenberg erinnert sich zum Beispiel an einen Fall in Luxemburg: "Dort ist einmal ein Flugzeug in einem Zustand gelandet, von dem die Behörden sagten: So kann das nicht weiter fliegen. Daraufhin hat der Eigentümer es aufgegeben, weil ihm die Reparaturkosten zu hoch waren." Der Flughafen in Luxemburg musste dann dafür sorgen, dass das Flugzeug verschrottet wird - was auch kostet.

Fehler im Flughafenmanagement?

Aber in diesem Fall war immerhin klar, wem das Flugzeug gehört - nicht so wie jetzt in Kuala Lumpur. Und das, obwohl Fluggesellschaften eigentlich Miete an den Flughafenbetreiber zahlen müssen für jedes Flugzeug, das sie dort parken. Aus irgendeinem Grund scheinen die drei herrenlosen Boeing aber nicht registriert worden zu sein, berichtet DRadio-Wissen-Autor Sebastian Sonntag: "Der Sprecher des Flughafens in Kuala Lumpur hat gegenüber der Süddeutsche Zeitung Fehler im Management angedeutet." Die besagten drei Boeings stehen offenbar schon seit einem Jahr am Flughafen in Kuala Lumpur.

"Man kann über die Registration verfolgen, auf wen ein Flugzeug zugelassen ist - aber nicht, ob diese Zulassung noch gültig ist."
Cord Schellenberg, Luftfahrtexperte

Mittlerweile sucht der Flughafenbetreiber per Anzeige nach dem Besitzer der Flugzeuge. Meldet der sich nicht innerhalb von zwei Wochen, wird der Flughafen die Boeings verschrotten, verkaufen oder anderweitig verwerten. Flugzeuge tragen zwar eine Identifikationsnummer, sogenannte Registriernummern, die anzeigen, auf wen sie zugelassen sind. Die helfen aber leider auch nicht immer weiter, erklärt Luftfahrtexperte Cord Schellenberg.

Flughafenbetreiber will sich offenbar absichern

Aus den Registriernummern der drei herrenlosen Boeings in Malaysia lässt sich laut Süddeutscher Zeitung ablesen, dass sie wohl einmal einer isländischen Firma gehört haben - die sie dann aber verkauft hat. "Vielleicht weiß der Flughafenbetreiber auch, wem die Maschinen gehören, hat den Besitzer aber nicht erreichen können", sagt DRadio-Wissen-Autor Sebastian Sonntag. Mit der Anzeige, die geschaltet wurde, sei der Flughafen aber auf jeden Fall rechtlich auf der sicheren Seite: "Wenn sich nämlich niemand meldet, können die Flughafenbetreiber mit den Flugzeugen machen, was sie wollen."

"Das Abwracken eines Flugzeugs ist kostenintensiv. Zwar sind in einer solchen Maschine viele Teile, die recycelt werden können - dafür müssen sie aber noch gültige Zertifikate tragen."
Cord Schellenberg, Luftfahrtexperte

Im schlechtesten Fall bleibt dem Flughafen in Kuala Lumpur am Ende nur noch die Verschrottung - die Verschrottung dreier Flugzeuge, die einmal sehr viel Geld wert waren.


Update:

Wie die Nachrichtenagentur AFP gegen 10 Uhr gemeldet hat, hat sich der aktuelle Besitzer der drei Boeing-747-Maschinen offenbar gemeldet. Blue Peterson, Ex-Pilot und jetzt Chef der kleinen Frachtfluggesellschaft Swift Air Cargo, zeigte sich demnach "verblüfft" darüber, dass er per Zeitungsanzeige gesucht werde. Seiner Schilderung nach habe er die drei Flugzeuge bereits im Juni 2015 gekauft und stehe seither mit den Flughafenbetreibern in Kuala Lumpur in Kontakt - diese hätten sich bislang jedoch geweigert, Swift Air Cargo als Besitzer der drei Boeing 747 anzuerkennen.

Ein Grund dafür sei, schreibt AFP, dass die malaysische Aufsichtsbehörde Swift Air Cargo noch keine Fluggenehmigung erteilt habe. Ein weiterer Grund sei nach Darstellung von Swift-Air-Cargo-Chef Blue Peterson möglicherweise Hinhaltetaktik: "Sie wollen die vom Vorbesitzer nicht bezahlten Gebühren einstreichen, indem sie die Maschinen verkaufen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP und fügte hinzu, dass er die Angelegenheit nun seinem Anwalt übergebe.