Drohnen erobern nicht nur die Luft, sondern auch die Weltmeere. Ein kalifornisches Unternehmen entwickelt sogenannte Segeldrohnen, die dank KI völlig autonom in die abgelegensten Bereiche der Ozeane navigieren und dort Daten sammeln können.

Gerade erst vor zwei Wochen konnte eine Drohne des kalifornischen Start-ups Saildrone vor der Küste Floridas im Zentrum von Hurrikan Sam wichtige Daten zusammentragen. Die spektakulären Videos, die die Drohne trotz 15 Meter hoher Wellen und Windgeschwindigkeiten von mehr als 190 km/h einfangen konnte, gingen um die Welt. Nun hat Saildrone 100 Millionen Dollar Investorengelder für die Entwicklung weiterer Segeldrohnen bekommen.

Gute Investition: Segeldrohnen

Segeldrohnen werden von Forschern weltweit benötigt, weil sie damit systematisch Daten über die komplexen Meeresökosysteme sammeln können, die uns letztlich dabei helfen, die Klimakrise besser zu verstehen. Es geht um den Schutz eben dieser Ozeane – und um den Schutz von Küstenbewohnern und Schiffen durch verbesserte Wettervorhersagen.

So sollen etwa die Daten, die die Drohne bei ihrer Reise ins Auge des Sturms vor der Küste Floridas gesammelt hat, zum besseren Verständnis der physikalischen Prozesse von Hurrikans beitragen. Die Drohne wurde speziell für diese Aufgabe konstruiert und kommt an Orte, die für Menschen zu gefährlich sind oder wo der Weg dorthin einfach zu teuer ist.

"Der Vorteil der Segeldrohnen: Sie können auch dort Daten sammeln, wo es für uns Menschen viel zu gefährlich oder zu teuer ist."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Die wind- und solarbetriebenen Saildrones sind signalrot und sehen aus wie kleine unbemannte Segelschiffe. Die "Saildrone Explorer" (im Bild oben), das Exemplar, das bei Hurrikan Sam eingesetzt wurde, ist sieben Meter lang und kann diverse Daten sammeln, etwa Windgeschwindigkeit, Luftdruck, Temperatur, Salzgehalt und Feuchtigkeit.

Die Segeldrohne war Teil einer Flotte von fünf Hurrikan-Drohnen, die gerade im Atlantik im Einsatz waren und Daten für die US-Wetter- und Ozeanografie-Behörde NOAA gesammelt haben. Bis Ende diesen Jahres ist eine Saildrone auch für das Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung im Atlantik unterwegs. Sie sammelt Messdaten zur Kohlendioxid-Konzentration an der Meeresoberfläche, um die Auswirkungen des Klimawandels im tropischen Atlantik zu messen.

Große Beobachtungsdrohnen im Südpolarmeer

Bereits 2018 hat die australische Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) mehrere Saildrones zu einer wissenschaftlichen Mission ins Südpolarmeer losgeschickt. Mit 22 Metern Länge und 18 Metern Breite sind diese Beobachtungsdrohnen ("Saildrone Surveyor"), die bis 2023 Daten sammeln sollen, deutlich größer als die Hurrikandrohnen ("Saildrone Explorer").

"Zahlreiche Geräte an Bord der Drohne ermöglichen es den Forschern, günstig an aussagekräftige Offshore-Daten zu kommen – ohne großes Forschungsschiff und mehrköpfige Besatzung."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin
Die Saildrone Surveyor hat Solarzellen für die Stromversorgung und zahlreiche Sensoren an Bord und kann in eine Tiefe von bis zu 7000 Metern auf den Ozeanboden blicken und ihn kartografieren. Dazu kommen Sonar, Kameras, Magnetfeldmesser und Messgeräte für den Salz- und CO2-Gehalt. Selbst DNA-Proben aus dem Wasser können genommen werden.