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Sich mit fremden Federn schmücken - wir Menschen tun es, Tiere können das nicht. Müssen sie auch nicht, weil sie schon durch ihre natürlichen Farben und Muster attraktiv auf potenzielle Partner wirken. Ein Vortrag der Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard.

Viele Tierarten präsentieren sich in einer ungeheuren Vielfalt an Farben, Formen und Mustern. Weil Tiere sich nicht selbst schmücken können wie wir, ist die Vielzahl an Ornamenten bei ihnen ganz einfach angeboren: in schillerndem Blau, funkelndem Gold oder sattem Grün.

Überwältigende Kompostionen vom Menschen nicht nachzubilden

Diese Vielzahl und die Kompositionen der einzelnen Elemente kann kein Künstler der Welt kreieren, sagt die mehrfach ausgezeichnete Biologin Christiane Nüsslein-Volhard. Doch dürfe sich der seriöse Forscher davon nicht blenden lassen.

"Schönheit ist kein Attribut, das in der Biologie zur Beschreibung von Organismen verwendet wird."
Christiane Nüsslein-Volhard, Entwicklungsbiologin

Schönheit können weder Forscher noch andere Menschen messen. Dennoch hat schon Charles Darwin, der Begründer der modernen Biologie, die Auffassung vertreten, die Tiere selbst würden von 'schönen' Artgenossen angezogen.

Dreistacheliger Stichling.
© IMAGO | blickwinkel
Der Dreistachelige Stichling 'betört' die Weibchen durch seine rote Unterseite.
"Viele Tiere verfügen über hochentwickelte Augen, die in der Lage sind, subtile Unerschiede in Bildern und Gestalten wahrzunehmen."
Christiane Nüsslein-Volhard, Entwicklungsbiologin

Christiane Nüsslein-Vollhard belegt dies mit der roten Kehle beim Dreistacheligen Stichling: Durch eben jene 'Schönheit' locke er weibliche Tiere zum Laichen in das von ihm gefertigte Nest.

Attraktivität auf die eigene Art bechränkt

Die Attraktivität der Tiere – so die Forscherin – sei aber immer auf ihre jeweiligen Art beschränkt. Auf andere Reize sprechen sie nicht an. Weil sie nur Farben, Formen und Muster ihresgleichen erkennen, sei somit auch die Bildung von Schwärmen zu erklären.

Der Vortrag

Christiane Nüsslein-Volhard ist emeritierte Direktorin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen und Kanzlerin des Ordens Pour le Mérite. Sie hat Gene entdeckt, die Entwicklungen steuern und gestaltbildende Gradienten im Embryo der Fliege nachgewiesen. Dafür erhielt sie 1995 den Nobelpreis.

Den Vortrag "Schönheit der Tiere - Evolution biologischer Ästhetik" hat sie am 10. März 2021 für das digitale Wissenschaftsprogramm "vhs.wissen.live" der Volkshochschulen in Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft gehalten.