Mehr Zeit zu Hause und vor Bildschirmen kann Kurzsichtigkeit verstärken. Das hat ein Forschungsteam aus China und den USA bei Grundschulkindern herausgefunden. Gerade bei jüngeren Kindern kann Tageslicht helfen.

Seit der Corona-Pandemie sind wir oft zu Hause und verbringen unsere Zeit dort häufig vor dem Computer, am Smartphone oder haben ein Buch vor der Nase. Unsere Augen gewöhnen sich dann daran, auf kurze Distanz zu schauen. Das kann dazu führen, dass die Sehschärfe abnimmt und wir kurzsichtig werden.

Zu wenig draußen

Forschende aus China und den USA kommen in der Studie zu dem Ergebnis, dass die Kurzsichtigkeit besonders bei Kindern zwischen sechs und acht Jahre zunehmen kann, wenn sie viel auf einen Bildschirm starren und sich wenig bis gar nicht draußen bewegen.

Für ihre Analyse hat das Forschungsteam die Daten der Augen-Screenings von fast 124.000 Grundschulkindern aus der chinesischen Stadt Feicheng untersucht. Seit 2015 wird ihre Sehleistung einmal im Jahr gemessen. Zuletzt im Juni 2020. Die Schülerinnen und Schüler haben aufgrund der Pandemie von Januar bis Mai 2020 im Netz Unterricht gegabt und waren im Homeschooling.

Tageslicht und Weitsehen wichtig

Es zeigt sich: Beim Vergleich der Daten der Vorjahre haben sich die Augen der Kinder um 0,3 Dioptrien verschlechtert. Die stärkste Veränderung zeigt sich unter den Sechsjährigen: Ihre Werte haben sich 2020 im Vergleich zum Vorjahr um das Dreifache erhöht. Bei den Siebenjährigen sind sie zweimal und bei den Achtjährigen 1,4-mal so hoch. Nur bei den Kindern zwischen neun und 13 Jahren ist die Sehkraft gleich geblieben.

Die Zunahme der Kurzsichtigkeit kann entweder bedeuten, dass mehr Kinder kurzsichtig geworden sind oder, dass die Sehstärke derselben Kinder weiter abnimmt. Unabhängig davon erklären sich die Forschenden den Zuwachs von insgesamt 0,3 Dioptrien damit, dass die Grundschulkinder im Online-Unterricht mehr Zeit vor einem Bildschirm verbracht haben und länger drinnen als draußen waren.

Länge des Augapfels

Denn: Je mehr Tageslicht auf das Auge trifft, desto mehr Dopamin wird in der Netzhaut freigesetzt. Dieser Botenstoff gibt einerseits Signale von Nervenzellen an andere Zellen weiter und hat andererseits Einfluss auf die Länge des Augapfels. Ist der zu lang, entwickelt sich dadurch eine Kurzsichtigkeit.

Bei Kindern wächst der Augapfel noch. Die Studienautorinnen und -autoren vermuten deshalb, dass sich die Augen von Kindern umtrainieren können. Dafür braucht es aber noch aussagekräftige Untersuchungsergebnisse. Zumal die genauen Ursachen für Kurzsichtigkeit weiter erforscht werden. Die Abnahme der Sehschärfe kann nämlich auch vererbt werden.

"Studien zeigen, dass zwei Dinge eine wichtige Rolle spielen: Wie sehr starre ich im Alltag auf Dinge direkt vor mir? Und: Wie viel bin ich draußen?
Ann-Kathrin Horn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Besonders Kinder, so die Forschenden, sollten aber in ihrer Freizeit weniger auf Bildschirme schauen und mehr Zeit draußen verbringen, schreiben sie.