Meditative Ruhe ist im Büro eher die Ausnahme. Warum sind die Gespräche der anderen eigentlich so stressig? Unser Gehirn ist das Problem – und auch die Lösung.

Technische Probleme, Telefonate oder Kollegen: Gut die Hälfte der Menschen, die im Dienstleistungssektor arbeiten, fühlt sich oft oder sehr oft bei der Arbeit gestört. Gut ein Viertel stresst das, sie empfinden das als Belastung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Gewerkschaft Verdi.

Insgesamt wurden dabei knapp 6000 Beschäftigte aus verschiedenen Branchen befragt. Störfaktoren gibt es eine Menge: spontane Zusatzaufgaben, streikende Technik oder Chefs, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind.

Geräusche als Problem

Auch auf der Liste: Geräusche und andere akustische Wahrnehmungen. Bei seiner persönlichen Umfrage hat unser Tagesreporter Martin Krinner gehört, dass Gespräche der anderen auf der Nervigkeitsskala ganz weit oben stehen. Das Gequatsche der lieben Kollegen hat ein ungeheures Störpotential. Das bestätigt auch der Neurowissenschaftler Henning Beck.

"Ein Gespräch wird im Gehirn nicht einfach rausgefiltert. Wir hören das Wort immer aktiv und dann müssen wir dieses gehörte Wort wieder herausfiltern oder unterdrücken."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Diese Lauscharbeit bringt Menschen dann bei der eigentlichen Arbeit aus dem Konzept. Denn im Gehirn springt dann ein ganz bestimmtes Areal im limbischen System an: die Amygdala. Das sagt die Kognitions- und Neurowissenschaftlerin Franca Parianen.

"Das ist eines der Areale im Gehirn, die wie ein Blinklicht funktionieren, wenn etwas Wichtiges passiert. Heute wissen wir, dass es auch ein paar positive Dinge gibt, wo unser Gehirn sich sagt: Ah, das ist wichtig."
Franca Parianen, Kognitions- und Neurowissenschaftlerin

Wenn sich jetzt also zwei Kollegen unterhalten, dann identifiziert unser Gehirn das erstmal als eine gute Sache. Unbewusst registriert unser Gehirn: Da findet gerade soziale Interaktion statt und das sorgt für eine messbare hormonelle Reaktion. Kollegengequatsche ist also auch deswegen so nervig.

"Dann schütten wir Hormone aus, wie Oxytocin. Die sorgen dafür, dass wir uns auf das soziale konzentrieren und genau das rausfiltern."
Franca Parianen, Kognitions- und Neurowissenschaftlerin

Eigentlich gibt es dann nur zwei Optionen: Mitquatschen – wenn man die Arbeit aufschieben kann– oder die Ohren verschließen. Denen, die sich ihre Arbeit selbst organisieren, empfiehlt Henning Beck, daran zu denken, wie sich die Arbeit so interessant gestalten lässt, dass die Aufgabe genau richtig fordernd ist.

"Jeder, der mal auf dem Handy ein Video geschaut hat oder irgend so ein Smartphone-Spiel gespielt hat, kennt das. Du bist so in deinem Tunnel drinnen. Die Aufgabe passt zu dem, was du im Moment kannst und willst."
Henning Beck, Neurowissenschaftler