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Gefühlt sitzen wir alle zu Hause rum, haben Kontakte reduziert. In der Realität sind die Corona-Infektionszahlen aber weiterhin hoch. Und auch auf den Intensivstationen liegen wieder viele Corona-Patienten. Von der angespannten Lage für Patienten und Pflegekräfte berichtet Intensivpfleger Michael Groß aus Köln.

Michael Groß leitet zwei Intensivstationen an der Uniklinik Köln. Von den insgesamt 14 Betten seien noch zwei frei, sagt er. Und von den zwölf Patienten würden elf wegen Corona behandelt. Eine absolute Stresssituation – vor allem für sein Team.

"Wir sind sehr gestresst. Die Lage ist anstrengend und belastend – körperlich und psychisch."
Michael Groß, Teamleiter auf zwei Intensivstationen der Uniklinik Köln

Kritik an Politik und "Bundesnotbremse"

Natürlich erfordere Intensivpflege immer besonderen Einsatz, sagt Michael Groß. Das sei sein Team gewöhnt. In der Pandemie nehme das, was sein Team leisten muss aber eine neue Qualität an – besonders in der dritten Welle. Neu sei außerdem, dass viele Patienten jünger seien als letztes Jahr.

"Wir haben Patienten, die zwischen 30 und 50 Jahre alt sind, und sehr lange und schwierige Krankheitsverläufe haben."
Michael Groß, Teamleiter auf zwei Intensivstationen der Uniklinik Köln

Angesichts dieser Lage ist Michael Groß der Meinung, dass die bundesweite Notbremse zu spät beschlossen wurde. Außerdem ist er für einen weiteren Lockdown. Anders würde man die dritte Welle nicht in den Griff bekommen.

Portrait von Intensivpfleger Michael Groß
© Michael Wodak / Uniklinik Köln
Die dritte Welle nimmt die Pflegekräfte sehr in Anspruch, berichtet Michael Groß, Leiter zweier Intensivstationen an der Uniklinik Köln.
"Ich gehe so weit zu sagen, dass die politischen Verantwortlichen ihrer Fürsorgepflicht nicht nachkommen."
Michael Groß, Teamleiter auf zwei Intensivstationen der Uniklinik Köln

Bitte an alle, sich zusammenzureißen

Gleichzeitig kann Michael Groß nachvollziehen, dass die Menschen nach einem Jahr Pandemie ihr unbeschwertes Leben zurückhaben möchten. "Aber ich sehe jeden Tag, dass das momentan noch gar nicht möglich ist", sagt er. Um durchzuhalten, hat er einen radikalen Vorschlag: "Vielleicht hilft die Vorstellung, dass man selbst oder jemand, der einem nahe ist, der nächste Intensivpatient ist." Spätestens dann würde man sich wünschen, dass noch ein Bett frei ist.