Seit Tagen gehen im Iran zehntausende Menschen auf die Straße. Auslöser: die hohen Lebensmittelpreise. Der Staat geht brutal vor, es gibt Tote. Es sei nur eine "Frage der Zeit, bis diese Islamische Republik fällt", sagt Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal.
Nach dem achten Tag der Demonstrationen sei es eine "brutale Nacht" gewesen, sagt Düzen Tekkal. An 222 Orten in 26 Provinzen des Iran sei es zu Aufständen gekommen, die Gesamtzahl der Toten sei auf 20 gestiegen (Stand: 05.01.2026). Die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin arbeitet seit Beginn der Protestbewegung im Jahr 2022 eng mit Menschen im Iran zusammen.
"Wut, Ekel und Verachtung"
Die aktuelle Stimmung der Menschen beschreibt sie als eine Mischung aus Wut, Ekel und Verachtung. In einem Krankenhaus im kurdischen Gebiet sei es zu dramatischen Szenen gekommen: Anwohnende hätten sich Berichten ihrer Kontaktpersonen zufolge vor bereits verwundete Protestierende gestellt, um sie vor den bewaffneten Revolutionsgarden, die zusammen mit der regulären Armee die Streitkräfte des Iran bilden, zu beschützen.
Im Iran werden die Dinge des täglichen Lebens für viele Menschen immer unbezahlbarer. Die Lebensmittelpreise explodieren, die Landeswährung verliert rasant an Wert. Und die Lage spitzt sich weiter zu: US-Präsident Donald Trump hat dem Regime offen damit gedroht, dass die USA eingreifen könnte.
"Es liegt etwas in der Luft. Es ist ein Pulverfass und nur noch eine Frage der Zeit, bis diese islamische Republik fällt."
Seit 47 Jahren werde die eigene Zivilbevölkerung unterdrückt, die Menschen hätten "die Schnauze gestrichen voll", so Düzen Tekkal: "Sie können nicht mehr. Nichts funktioniert mehr."
Irans Regime "mit dem Rücken zur Wand"
Die neuen Proteste haben eine andere Qualität als die aus den vergangenen Jahren, sagt die Menschenrechtsaktivistin. Das Ende des Regimes liege in der Luft und sei nur noch eine Frage der Zeit. Aus geheimdienstlichen Quellen sei bekannt, dass der Führer der Islamischen Republik angeblich schon Exit-Pläne nach Moskau vorbereite, so Düzen Tekkal. Die Islamische Republik stehe mit dem Rücken zur Wand.
Diesmal sei alles anders, weil die Proteste vom Hunger der Menschen ausgelöst worden seien. Und weil sie von den konservativen Basaris, also Basarhändlern und Ladenbesitzern, ausgegangen seien, auf die sich die Islamische Republik eigentlich seit jeher habe verlassen können.
"Diesmal ist alles anders, weil es mit dem Hunger begonnen hat."
Das Regime sei geschwächt wie nie zuvor, sagt Düzen Tekkal. Das habe auch mit dem zwölftägigen Krieg gegen Israel zu tun. Große Teile der Bevölkerung stünden dem Mullah-Regime inzwischen "diametral entgegen", über 90 Prozent seien mit dem Zustand des Landes unzufrieden.
Trauriger Höchststand bei Hinrichtungen
Alleine im Jahr 2025 habe es im Iran über 2.000 Hinrichtungen gegeben, sagt Düzen Tekkal. Hinweis: Wir können diese Zahl nicht unabhängig überprüfen. Die norwegische Organisation Iran Human Rights (IHR) spricht von etwa 1500. Fest steht: Es sind neue, traurige Rekordwerte, die auch Amnesty International bestätigt.
Deutschland und die EU könnten und müssten mehr tun, sagt die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin: "Im Grunde genommen ist es so, dass die Islamische Republik die Weltgemeinschaft an der Nase herumführt." Die EU müsse verstehen, dass die Revolutionsgarden auf die EU-Terrorliste gehörten.
