Mau hat sich die Haare abrasiert, um zu sehen, wer sie ohne ist – und ob sie sich dann noch schön findet. Wopana trägt seit etwa zehn Jahren ihren Afro, statt ihre Haare chemisch zu glätten. Für beide geht es bei dieser Entscheidung um mehr als einen Style. Beide erleben sehr unterschiedliche Reaktionen.

Das erste Mal rasiert sich Mau ihre Haare ab, um sie zu spenden. Jahre später traut sie sich noch einmal. Das Erste, was sie denkt: Ganz schön kalt da oben. Dann kann sie gar nicht mehr aufhören, darüber zu streichen, denn es ist so weich wie eine Babykatze, erzählt sie. Sie fühlt sich frei.

Teils Bewunderung, teils Schock

Denn ihre Haare waren zuvor ständig verknotet und sind stressbedingt ausgefallen. Trotzdem dauert es, bis sie sich dazu überwindet, sie abzurasieren. Doch mit ihnen kann sie auch etwas loslassen.

Für ihre Entscheidung erntet Mau zum Teil große Bewunderung, manche Menschen sind auch schockiert. Doch was ihr vor allem auffällt: Ohne ihre schulterlangen blonden Haare hat sie das Gefühl, dass andere ihr weniger Aufmerksamkeit schenken.

"Gefühlt bin ich ein wenig unsichtbar für die Leute geworden. Viele haben auch Mitleid, weil sie denken, dass ich als junge Frau mit kurzen Haaren wohl eine Krankheit gehabt haben muss."
Mau, hat sich ihre Haare abrasiert

Sie hat das Gefühl, die Menschen sind weniger freundlich, halten ihr beispielsweise weniger oft die Tür auf. Sie hat das Gefühl, ein wenig unsichtbar geworden zu sein. Kalt hat sie das zunächst nicht gelassen. Doch dann hat sie bemerkt, dass weniger Aufmerksamkeit auch mehr Freiheit für sie bedeutet.

"Vorher habe ich meine Schönheit vom Aussehen abhängig gemacht. Dann dachte ich: Wer bin ich eigentlich, wenn ich niemandem gefallen will?"
Mau, hat sich die Haare abrasiert

Mau erzählt, seit sie nicht mehr dem gängigen femininen Typ entspricht, sieht sie sich mit anderen Augen und macht ihre eigene Schönheit an inneren statt an äußeren Merkmalen fest. Ein wichtiger Impuls, sich die Haare abzurasieren war für sie auch die Frage: Wer bin ich, wenn ich niemandem gefallen will?

Mau hat sich ihre Haare abrasiert
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Mau hat sich ihre langen Haare abrasiert – um herauszufinden, wer sie ohne ihre Haare ist

Wopana rasiert sich ihre Haare nicht ab, sondern trägt sie natürlich. Das ist aber für sie alles andere als selbstverständlich. Als sie vor etwa zehn Jahren ihrer Familie mitteilt, dass sie ihre Haare nicht mehr chemisch glätten lässt, stößt sie auf Unverständnis.

Ein Afro ist mehr als eine Frisur

Zu dem Entschluss kam Wopana, weil ihre Haare zu dem Zeitpunkt durch die chemische Behandlung immer dünner wurden und auch ausfielen. Außerdem erzählt sie, dass sie nach der Schule im Studium andere Schwarze getroffen hat und bemerkt hat, wie stark sie in gewissen Bereichen von weißen Normen geprägt war.

"Anfangs war ich sehr unsicher, aber je mehr Menschen ich getroffen habe, die ihre Haare auch natürlich getragen haben, desto mehr hat mich das bestärkt."
Emilene Wopana Mudimu, Aktivistin

Für Wopana war es ein kleiner Kampf – heute fühlt sie sich sehr wohl damit, ihre Haare natürlich zu tragen. Aber anfangs wurde ihr wegen des Afros ihre Weiblichkeit abgesprochen. Denn lange Haare und Braids sind für andere oft an Weiblichkeit gekoppelt.

Wopana Mudimu
© Frederik Mordhorst
Für Emilene Wopana Mudimu ist Schwarzes Haar politisch.

Warum Mau sich trotz kurzer Haare femininer fühlt als vorher und wie ihre natürliche Haarstruktur zu tragen Wopanas Haltung in Bezug auf Anti-Rassismus beeinflusst hat, das hört ihr in der Ab 21.

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In diesem Beitrag enthaltene Kapitel:
  • Mau entdeckt ihre innere Schönheit
  • Für Wopana ist ihr Afro mehr als eine Frisur
  • Ab 21
  • Moderatorin:  Ivy Nortey
  • Gesprächspartnerin:  Mau, Fotografin
  • Gesprächspartnerin:  Emilene Wopana Mudimu, Aktivistin