Das Münchner Oberlandesgericht hat Beate Zschäpe im NSU-Prozess wegen zehn Morden zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Außerdem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Ihre Anwälte wollen in Berufung gehen. Nebenkläger akzeptieren das Strafmaß, sind aber von den Ergebnissen des Prozesses enttäuscht.

Mehr als fünfjährige Verhandlung

Beate Zschäpe muss lebenslang in Haft – das hat Münchener Oberlandesgericht jetzt festgestellt. Es ist ein historisches Urteil. Das Gericht hat unter anderem die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Das heißt: Sie kann nicht schon nach 15 Jahren freigelassen werden. Im Regelfall sind Verurteilte dann 20 Jahre oder mehr in Haft. Eine herbe Niederlage für Beate Zschäpe, sagt unser Korrespondent Tim Aßmann. Auch wenn sie das Urteil äußerlich gefasst aufnahm. Nach Meinung des Gerichts steht fest: Sie ist Mittäterin, Beate Zschäpe wollte diese Taten. Oder, wie es in der Sprache der Richter heißt: Sie hat "essenzielle Tatbeiträge" geliefert. 

"Das Urteil ist eine herbe Niederlage für Beate Zschäpe und ihre Verteidigungsstrategie."
Tim Aßmann, ARD-Korrespondent in München

Die Richter verkündeten ihre Urteile nach mehr als fünfjähriger Verhandlung. Die Verteidiger hatten bestritten, dass Zschäpe zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" gebildet habe. Ihr könne nur eine Brandstiftung in der eigenen Wohnung in Zwickau zur Last gelegt werden. Mundlos und Böhnhardt begingen 2011 Suizid.

"Beate Zschäpe hat gesagt: 'Ich wusste von nichts. Ich habe immer erst im Nachhinein davon erfahren. Ich wollte das nicht.' Das Gericht sieht das komplett anders."
Tim Aßmann, ARD-Korrespondent in München

Die Reaktion der Nebenkläger fiel gemischt aus. Tim Aßmann hat einige von ihnen gesprochen. Sie begrüßen zwar das Strafmaß für Beate Zschäpe, sind aber mit den Ergebnissen des Prozesses nicht zufrieden. Große Zweifel gibt es zum Beispiel daran, dass der NSU wirklich nur drei Mitglieder hatte. Das Gericht hat sich in dieser Frage festgelegt. Ein Schlag ins Gesicht der Nebenkläger, sagt Tim Aßmann. 

Beate Zschäpe bleibt in Untersuchungshaft

Schon jetzt steht fest – das ist nicht das Ende des Streits vor Gericht. Zschäpes Verteidiger wollen vor den Bundesgerichtshof ziehen. Bis der sich der Sache annimmt, bleibt Beate Zschäpe in Untersuchungshaft. Jetzt wird erst einmal das Urteil geschrieben. Anschließend können alle Seiten Stellung beziehen. Tim Aßmann geht davon aus, dass sich dieser Prozess anderthalb bis zwei Jahre hinziehen wird.  

Der Mitangeklagte Ralf Wohlleben wurde als Waffenbeschaffer des Nationalsozialistischen Untergrunds zu zehn Jahren Haft verurteilt. Das Münchner Oberlandesgericht sprach ihn der Beihilfe zum Mord schuldig. Carsten S., der dem NSU die Waffe übergeben hatte, erhielt eine dreijährige Jugendstrafe. André E. wurde für schuldig befunden, dem NSU-Trio bei der Tarnung im Untergrund geholfen zu haben. Er muss für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.