Hühner, die sich gegenseitig hacken, weil sie keinen Platz haben, Schweine, die deformierte oder entzündete Klauen haben, weil sie zu lange auf hartem Boden gestanden haben: Das ist der grausame Alltag für viele Tiere in der Massentierhaltung. Landwirtschaftminister Chistian Schmidt möchte solche Bilder komplett aus den Ställen verbannen. Sein Anreiz: ein Tierwohl Siegel.

Umfragen, unter anderem der letzte Ernährungsreport, machen deutlich, dass viele Verbraucher bereit sind, etwas mehr für ihre Lebensmittel auszugeben, wenn die Tiere dafür besser gehalten werden. Und genau darum soll es demnächst eine neue Kennzeichnung geben - und damit eine Qualitätsstufe zwischen "bio" und "konventionell" geschaffen werden.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das neue Tierwohlsiegel auf der Grünen Woche vorstellen, bis 2018 soll es in Deutschland eingeführt werden. Das Siegel soll zunächst Schweinefleisch, später auch Geflügelfleisch auszeichnen. Kunden sollen mit Hilfe des Siegels erkennen, wie die Tiere gehalten wurden, deren Fleisch sie kaufen. Das Siegel soll zwei Stufen haben. Standard und Premium - also Tiere, die unter besseren Umständen gehalten werden als es das gesetzliche Mindestmaß verlangt.

Ziel ist, dass auch Tiere in der konventionellen Zuchthaltung ein besseres Leben haben. Die Tierwohl-Initiative hat Haltungskriterien festgelegt und es gibt Bauern, die diese einhalten. Das Konzept bekommt jetzt staatliche Unterstützung, aber es soll als freiwilliges Siegel - also als Auszeichnung - funktionieren und kein Gesetz werden. Denn dann müsste das auf EU-Ebene besprochen werden. Das dauert dem Landwirtschaftsminister viel zu lange.

Ein System wie in der Schule

Die Sache mit den Kriterien, nach denen das Siegel vergeben wird, ist zur Zeit noch ziemlich verwirrend, weil es verschiedene Kataloge gibt, die sich an unterschiedliche Betriebe richten. Allein bei den Schweinen gibt es drei Kriterienkataloge:

  • für die Schweinemast
  • für die Sauenhaltung
  • und die Ferkelzucht

Je nach Funktion und Alter, haben die Tiere nämlich unterschiedliche Bedürfnisse. Es gibt gewisse Grundanforderungen und zusätzliche Wahlpflichtkriterien. Das klingt schulisch, ist auch ein bisschen so. Bei den Wahlpflichtkriterien gilt: je mehr desto besser.

Grob zusammengefasst geht es um den Aufbau des Stalls. Die Tiere sollen zehn bis 40 Prozent mehr Platz haben als in der konventionellen Haltung. Im Stall muss Tageslicht sein, zumindest zu einem bestimmten Teil. Das Klima muss reguliert werden, damit es nicht zu kalt oder warm ist. Weiche Liegeflächen werden verlangt. Und damit die Tiere etwas gefordert werden, sollen Futterspielzeuge in die Ställe gehängt werden. Die Liste ist noch viel länger.

Zwischen "bio" und "konventionell"

Die Kriterien erinnern an die Anforderungen für Bio-Siegel, sind aber nicht ganz so hoch. Obwohl es schon Fleisch auf dem Markt gibt, das sich an den Tierwohl-Ansprüchen orientiert, ist das für die Verbraucher bisher noch nicht zu erkennen. Das Problem: An einem Stück Schweinefleisch sind mindestens drei Betriebe beteiligt - den Schlachter noch nicht einmal mitgerechnet. So ein Schwein hat also mehrere Besitzer in seinem kurzen Leben. Da das Siegel freiwillig ist, ist häufig jemand dabei, der die Kriterien nicht erfüllt. Und damit kann das Tierwohlsiegel nicht bis ins Letzte garantiert werden. Aber genau das möchte der Landwirtschaftsminister bis 2018 ändern.