Gelbe Mehlwürmer sollen leicht nussig schmecken und dürfen seit neuestem als Lebensmittel in der EU verkauft werden. In Zukunft könnte das Insekt ein entscheidender Eiweißlieferant für uns sein.

In einigen asiatischen und afrikanischen Ländern sind sie ein gängiges Lebensmittel, in der EU sind sie neu: gelbe Mehlwürmer.

Ab sofort dürfen sie getrocknet in pulverisierter Form oder ganz als Zutat für beispielsweise Nudeln oder Kekse verwendet werden. Dafür hat die Europäische Kommission Anfang Mai 2021 die Zulassung erteilt. Sie sind damit das erste als Lebensmittel zugelassene Insekt.

Mehlwürmer als Inhaltsstoff gekennzeichnet

Enthalten Lebensmittel gelbe Mehlwürmer, muss das allerdings deutlich gekennzeichnet sein. Bei Menschen mit einer Allergie gegen Krustentiere oder Hausstaubmilben kann das Insekt unter Umständen auch eine allergische Reaktion auslösen. Ansonsten hält die EU-Kommission die getrockneten Larven des Mehlwurms für sicher.

Alternative Proteinquelle

Mehlwürmer sind nahrhaft und eine klimafreundlichere Alternative zu Fleisch. Sie sind einerseits reich an Protein, ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen. Gleichzeitig produzieren sie weniger Treibhausgase, brauchen weniger Platz und auch Futter als Schweine oder Rinder, erklärt Guido Ritter vom Institut für nachhaltige Ernährung in Münster.

Danach sind bei den Mehlwürmern zwei Kilogramm Futter nötig, um ein Kilo von dem Insekten-Protein zu bekommen. Für die gleiche Menge brauchen Schweine und Rinder dagegen fünf bis acht Kilogramm Futter. Zudem ist der Mehlwurm als Ganzes essbar. Bei Schweinen, Rindern oder Geflügel fällt nach der Zerlegung hingegen Abfall an, weil wir nur Teile der Tiere essen.

"Die Insekten pupsen deutlich weniger. Produzieren also weniger Treibhausgase."
Guido Ritter, Institut für nachhaltige Ernährung Münster

Die Insekten bevorzugen allerdings Wärme, weswegen europäische Mehlwurmbetreiber ihre Farmen beheizen müssen. Mehlwürmer sind daher eine Alternative zu anderen Eiweißquellen, aber nicht die Lösung, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Giulia Mühlhaus. Besser wäre es, das nährstoffreiche Futter der Mehlwürmer direkt zu essen, also die Pflanzen.

Mehr Eiweißlieferanten für die Zukunft

Für Guido Ritter zählen die Mehlwürmer zu den wichtigen Proteinquellen der Zukunft, gerade weil die Weltbevölkerung wächst und deshalb Alternativen wie Insekten braucht, um die Menschen mit ausreichend Proteinen zu versorgen.

"Wir müssen uns damit beschäftigen, weil wir bis zum Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen auf diesem Planeten haben. Die Eiweißversorgung wird eine der Flaschenhälse in der Ernährung darstellen."
Guido Ritter, Institut für nachhaltige Ernährung Münster

Eine Zulassung für neuartige Lebensmittel durch die EU braucht es übrigens erst seit 2018. Das hat die EU damals mit der Novel-Food-Verordnung beschlossen. Insektenriegel, die es davor schon mal im Supermarkt gab, waren offiziell nicht zugelassen, durften aber zeitweise verkauft werden. Für alle neuen Lebensmittel nach 2018 greift jetzt die Verordnung.