Die Preise für Lebensmittel sind im März um 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen, so das statistische Bundesamt. Aber wie entstehen die Preise im Supermarkt überhaupt? Das erklärt Thomas Roeb, Professor für Marketing und Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Wie die Endpreise für Lebensmittel im Supermarkt entstehen, ist unterschiedlich. "Im Wesentlichen haben wir den Einstandspreis des Produktes, der kann aber 30 Prozent des Endverkaufspreises sein, 20 Prozent oder bei manchen Produkten sind es sogar 80 bis 90 Prozent des Endverbraucherpreises", sagt Thomas Roeb, Professor für Marketing und Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Der Einstandspreis ist der Einkaufspreis, von dem ein eventueller Mengenrabatt abgezogen wird. Aufgeschlagen werden Kosten, die speziell mit diesem Produkt verbunden sind, etwa die Lieferung.

Ein Lebensmittelhändler zahlt auch Miete für das Geschäft, Strom und Heizung und muss Angestellten bezahlen. Diese Kosten können über alle angebotenen Produkte gestreut werden. Oft werden sie ungleichmäßig verteilt. "Bei Produkten, wo der Kunde sehr auf den Preis achtet, wird er seine Kosten kaum aufschlagen, um das Produkt billig anbieten zu können. Bei anderen Produkten muss er dann natürlich einen erheblich höheren Aufschlag machen", erklärt Thomas Roeb.

"Der Einfluss auf den Endpreis ist mehr oder weniger gleichmäßig verteilt auf Händler und Hersteller."
Thomas Roeb, Professor für Marketing und Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Allerdings hätten die Händler oft eine gute Vorstellung davon, wie hoch die Kosten des Herstellers sind. "Sie lassen dem Hersteller dann oft nur sehr kleine Gewinnmargen oder manchmal auch überhaupt keine", so Roeb. Die Händler könnten sich das erlauben, weil es nur wenige Händler in Deutschland gibt (Lidl, Aldi, Edeka, Rewe) und weil die meisten Hersteller nicht sehr groß seien und deswegen eine eher schlechte Verhandlungsposition haben.

Die Lebensmittelhersteller könnten ins Ausland abwandern, wenn ihnen der Preis für ihre Produkte in Deutschland zu niedrig ist. Nur: Im Ausland haben andere Wettbewerber*innen bereits den Markt besetzt. Und so komme es, dass der Endpreis dann etwas stärker vom Händler beeinflusst wird als vom Hersteller.

Einmal im Jahr werden Gespräche geführt, in denen Handels- und Herstellerunternehmen auf das gesamte Jahr blicken und die Preise besprechen. Diese Gespräche können sehr unterschiedlich aussehen, sagt Thomas Roeb: "Es gibt kleinere regionale Lieferanten, die der Händler gerne im Sortiment haben möchte, um sich als lokal verankerter Händler zu präsentieren. Da kann das aus einem einzigen, relativ kurzen Telefonat bestehen, in dem man wieder die Mengen festlegt und dann ungefähr die Preise akzeptiert, weil sich das auf den Umsatz des Händlers in den Gewinn kaum auswirkt."

"Händler wie Hersteller kommen mit einem Trupp von vier, fünf, sechs, manchmal sogar zehn Personen, und es wird bis aufs Messer verhandelt."
Thomas Roeb, Professor für Marketing und Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Bei den großen Lieferanten wie Nestle, Coca-Cola oder Ferrero sieht es anders aus. Da ziehen sich die Jahresgespräche manchmal über Wochen oder Monate hin. Bei diesen Gesprächen werde hart verhandelt. Und wenn man keine Einigung finde, dann könne das Gespräch auch damit enden, dass ein Händler ein Produkt aus seinem Sortiment streicht.

Marken haben Einfluss

Wenn eine Marke bekannt ist, dann liege das daran, dass viele Menschen diese Marke nachfragen. Händler*innen seien in gewisser Weise dazu verpflichtet, bestimmte Marken zu führen. "Und das raubt ihm seine Verhandlungsmacht und stärkt die Verhandlungsmacht des jeweiligen Herstellers. Insofern sind da die Machtverhältnisse ausgeglichener", sagt Thomas Roeb.

Die aktuellen Preissteigerungen haben unterschiedliche Gründe, am Ende gehe es aber in verschiedenen Bereichen um ein gesunkenes Angebot. Russland fällt zum Teil als Energielieferant aus. Und auch beim Getreide fallen zum Teil Russland als auch die Ukraine aus. Im Non-Food-Bereich spielt die Coronakrise noch immer eine Rolle. Vor allem China fällt teilweise als Lieferant aus.

"Ich stelle mir vor, dass in den nächsten Jahren alternative Produktionsstätten aufgebaut werden und sich die Preise dann wieder stabilisieren werden."
Thomas Roeb, Professor für Marketing und Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Thomas Roeb geht davon aus, dass sich die meisten Preise längerfristig wieder stabilisieren – vielleicht sogar sinken – werden. Nur im Energiebereich prognostiziert er auch in Zukunft ein hohes Preisniveau.