Lebensmittelkontrollen sollen sicherstellen, dass wir unsere Einkäufe bedenkenlos essen können. In manchen Fällen kommt es zu einem Rückruf der Lebensmittel oder sogar zu einem Lebensmittelskandal. Und das passiert nicht selten. Laut der Organisation Foodwatch fehle für regelmäßige Kontrollen vor allem Personal.

Die Liste der Produkte, die der Süßwarenkonzern Ferrero wegen einer möglichen Salmonellen-Infektion gerade zurückruft, wird immer länger. Die belgische Aufsichtsbehörde Afsca hat der betroffenen Fabrik in der Stadt Arlon mittlerweile die Produktionslizenz entzogen.

Pflichtkontrollen: regelmäßig Ausfälle

Damit solche Lebensmittelvergiftungen verhindert werden können, gibt es auch bei uns in Deutschland regelmäßige, unabhängige Kontrollen der Betriebe – zumindest sollte es sie geben. Wie regelmäßig Lebensmittelkontrollen tatsächlich stattfinden, hat sich die Organisation Foodwatch für 2018 angesehen.

Das Ergebnis: Ungefähr jede dritte vorgeschriebene Kontrolle ist in dem Jahr ausgefallen, sagt Foodwatch-Pressesprecherin Sarah Häuser. Die Organisation geht davon aus, dass sich die Situation seitdem vermutlich weiter verschlechtert hat, besonders während der Corona-Pandemie.

"In Deutschland ist es leider die Regel, dass nicht alle Kontrollen so durchgeführt werden, wie sie durchgeführt werden sollen."
Sarah Häuser, Pressesprecherin Foodwatch

Wenig Personal und kleinteilige Aufgabenverteilung

Als Grund für die Pflichtkontrollen, die niemals stattfinden, sieht Foodwatch fehlendes Personal. In der Regel führen die Kommunen die Lebensmittelkontrollen durch. Wobei die Länder für sie verantwortlich sind. Die Vorgaben für die Kontrollen legen die Bundesregierung und der Bundesrat gemeinsam fest.

In Deutschland gibt es fast 400 Lebensmittelbehörden, die in den Betrieben die Hygiene überprüfen und auch Lebensmittelproben untersuchen sollen. Und ihnen mangelt es laut Foodwatch an Lebensmittelkontrolleur*innen. Zumal die Mitarbeitenden während der Corona-Pandemie teilweise in den Gesundheitsämtern ausgeholfen haben, sagt sie.

Die Verbraucherorganisation hält auch mögliche Interessenskonflikte zwischen den Kommunen und den Betrieben für problematisch. Denn: Die Produzenten der Lebensmittel schaffen auch Arbeitsplätze in der Region. Die Kommunen haben also auch ein Interesse daran, die Konzerne in ihrer Region zu halten. Das könnte wiederum dafür sorgen, dass Vorgaben nicht in dem Maß durchgesetzt werden, wie gedacht, so die Pressesprecherin.

"Das System der Lebensmittelkontrollen ist nicht wirklich dafür geeignet, Lebensmittelskandale zu verhindern."
Sarah Häuser, Pressesprecherin Foodwatch

Die Verbraucherorganisation fordert daher, unabhängige Landesanstalten einzurichten, die genug Personal und finanzielle Mittel haben, um die Lebensmittelsicherheit zu garantieren.