Drei oder vier Promille – das sind lebensgefährlich Alkoholwerte. Manche Menschen überleben das zwar, aber sie sterben statistisch gesehen früher.

Zwei ältere Frauen haben sich so betrunken, dass ihnen im ICE zwischen Berlin und Hannover Sanitäter und die Bundespolizei beim Aufstehen und Ausnüchtern helfen mussten. Bei der einen der beiden Frauen aus Nordrhein-Westfalen wurde ein Alkoholblutwert von 4,2 Promille, bei der anderen ein Alkoholblutwert von drei Promille gemessen.

Der Mediziner Falk Kiefer bezeichnet beide Werte als lebensgefährlich, weil die Schutzreflexe des Körpers dann abgebaut seien. Er erklärt: "Wenn sie in einem bewusstseinsreduzierten Zustand sind und sich übergeben müssen, was bei Alkoholtoxikationen häufig vorkommt, dann ersticken viele Menschen einfach an dem Erbrochenen."

So hohe Alkoholwerte im Blut könnten nur Menschen erreichen, die regelmäßig viel Alkohol trinken. Dann habe der Körper sich an große Mengen Alkohols bereits gewöhnt und eine Toleranz gegenüber dem Gift entwickelt.

Ab zwei Promille erhöhtes Risiko

Über diese Gruppe sagt der Mediziner: "Der Alkohol wirkt immer weniger, der Körper lernt weniger Schwindel zu erzeugen, weniger Übelkeit zu produzieren. Und das Gehirn funktioniert dann auch bei höheren Alkoholkonzentrationen noch leidlich." Das führe dann in der Mehrzahl der Fälle dazu, dass der Alkoholmissbrauch noch zunimmt.

"Die Menge des Konsums kann dann immer weiter steigen – und steigt dummerweise auch meistens."
Falk Kiefer, leitet die Klinik für abhängiges Verhalten und Suchtmedizin in Mannheim

Grundsätzlich seien Werte ab zwei Promille mit einem erhöhten Risiko verbunden. Das gilt für Menschen, die nicht regelmäßig größere Alkoholmengen trinken. Die Folgen einer Alkoholvergiftung sind: Enthemmung, verringerte Schmerzwahrnehmung, Gleichgewichtsstörung, Filmriss und Erbrechen. Hinzu kommt Herzkreislaufversagen. Falk Kiefer sagt: "Die Kombination ist dann in der Regel tödlich, sodass man in einem Koma an einem Herzkreislauf- und Atemversagen stirbt."

"Ab zwei Promille kommt es zu Erbrechen, Filmriss und zu einer Minderung der Bewusstseinsfähigkeit, ab drei Promille in der Regel zu einem komatösen Zustand."
Falk Kiefer, leitet die Klinik für abhängiges Verhalten und Suchtmedizin in Mannheim

Wirklich ungefährlich sei aber Alkohol genau genommen auch in geringen Mengen nicht. Auch bei geringer Alkoholisierung könne man die Treppe runterfallen. Nach Ansicht des Mediziners hat sich in Bezug auf Alkohol eines zum Guten verändert: Wer besonders viel Alkohol vertrage, könne sich nicht mehr automatisch sozialer Anerkennung sicher sein. Das habe grundsätzlich einen lebensverlängernden Effekt.

"Menschen, die weniger Alkohol vertragen, haben in ihrem Leben deutlich weniger Probleme mit Alkohol, weniger alkoholassoziierte Folgeerkrankungen und eine höhere Lebenserwartung."
Falk Kiefer, leitet die Klinik für abhängiges Verhalten und Suchtmedizin in Mannheim