Seit Juli steigen die Coronavirus-Infektionszahlen stetig an. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina gibt in ihrer sechsten Stellungnahme Tipps, wie wir den Herbst und Winter ohne noch mehr Infektionen überstehen könnten.

Die Forschenden der Leopoldina fordern einheitliche und verbindliche Regeln im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie ein. Dazu gehört ein Maßnahmenkatalog der genauestens festlegt, ab welcher Infektionsrate und Einwohnerzahl eine Kontaktbeschränkung gelten muss. Dabei betont die Leopoldina auch die dauerhafte Überarbeitung und Anpassung der Maßnahmen an die jeweilige Situation.

Die Expertinnen und Experten sprechen sich gleichzeitig für die strikte Einhaltung der bereits vorhandenen Regeln wie Mund-Nasen-Schutz tragen, Abstand halten und regelmäßig Hände waschen aus. Diese sollen im Herbst und Winter noch viel konsequenter eingehalten werden. Eine Bestrafung mit Bußgeldern könne im Notfall auch greifen. Das Ziel sei, das öffentliche Leben, soweit es gehe, auch in der Pandemie aufrecht zu erhalten.

"Maske tragen, Hygieneregeln, Abstand halten, das soll eben viel konsequenter eingehalten und umgesetzt werden, und zwar notfalls auch mit Bußgeldern."
Inga Gebauer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Superspreading-Events vermeiden

Lockerungen in den kommenden Monaten steht die Leopoldina kritisch gegenüber und betont die Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen. Körperliche Betätigung wie Tanzen oder Sport in Clubs oder in Fitnessstudios fördern die Aeorosol- und Tröpfchenproduktion und somit auch die Ansteckungsgefahr. Denn gerade dort wird gelacht, gesungen oder schwer geatmet. Veranstaltungen, bei denen sich zehn und mehr Personen aufhalten und so auf einmal anstecken könnten, mutieren dann schnell zu Superspreading-Events.

Um trotzdem Fitnessstudios zu öffnen oder kleinere Events stattfinden zu lassen, empfehlen die Forschenden spezielle Maßnahmen wie eine gute Belüftung, spezielle Luftfilter oder auch das Tragen von Masken, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

Zielgruppengerechte Aufklärung

Da sich immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene unter 30 mit Corona anstecken, empfiehlt die Leopoldina junge Menschen durch den gezielteren Einsatz von Social Media - auch mithilfe von Influencerinnen und Influencern - für das Thema Infektionsschutz zu sensibilisieren.

"Die Forschenden fordern mehr Aufklärung, die speziell auf diese junge Zielgruppe zugeschnitten ist – also zum Beispiel über Social Media, man könnte auch Influencer dafür einspannen."
Inga Gebauer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Insgesamt fordern die Forschenden eine stärke Aufklärung für alle Altersklassen. Man solle es den Bürgern leichter machen, sich richtig zu verhalten. Das gehe am besten durch Wissensverbreitung, klare Regeln und auch Anreize, sich dementsprechend verhalten zu wollen.

"Es braucht Wissen, Motivation und die Möglichkeit, sich entsprechend zu verhalten, sowie klare Regeln."
Inga Gebauer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Helfen soll beispielsweise, dass Politiker die Grundlagen ihrer Entscheidungen erklären und transparent machen. Gleichzeitig soll eine Aufklärung über die möglichen sozialen und psychischen Folgen der Einschränkungen stattfinden, aber auch über das, was passiert, wenn die Anti-Corona-Maßnahmen nicht korrekt eingehalten werden.

"Wir-Gefühl" stärken

Um Menschen emotional zur Einhaltung der Maßnahmen zu motivieren, schlagen die Experten vor, das "Wir-Gefühl" in der Gesellschaft zu stärken. Es soll klar gemacht werden, dass alle ein Interesse daran haben sollten, dass Risikogruppen geschützt werden, Schulen geöffnet bleiben und das Wirtschaftssystem weiter funktioniere.

Bekämpfung der sozialen und psychologischen Folgen

Die Forschenden legen im letzten Punkt ihrer Stellungnahme das Augenmerk vor allem auf die sozialen und psychologischen Folgen der Corona-Maßnahmen. Darunter fallen beispielsweise Arbeitslosigkeit, Vereinsamung, die psychologischen Folgen der Selbstisolation und der Quarantäne. Diese sollten sichtbarer gemacht und dann mit einem ausgeweiteten therapeutischen und beratenden Angebot wie Hotlines oder Online-Sitzungen besser bekämpft werden.