Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Liberia zeichnet sich ein Sieg für George Weah ab. Der Ex-Weltfußballer holte in 12 von 15 Provinzen des westafrikanischen Landes die Mehrheit.

George Weah ist ein Held in seinem Heimatland. Mit Fußballspielen hat er sich aus der Armut herausgeholt. George Weah spielte bei großen Clubs in Europa und wurde 1995 zum Weltfußballer gewählt – als erster Afrikaner überhaupt. 

Seine Popularität nutzte George Weah bereits 2005 und kandidierte für das Präsidentschaftsamt. Neben verschiedenen Projekten, die er in seiner Heimat gefördert hat, war er für die Vereinten Nationen unterwegs. Als Senator hat er in den vergangenen Jahren sein politisches Profil geschärft. Jetzt hat er einen neuen Versuch unternommen, das Präsidentenamt zu gewinnen.

"Solch eine Karriere ist schon bemerkenswert. George Weah ist einer, der Erfolg hat."
Jens Borchers, Korrespondent für Nord- und Westafrika

Der inzwischen 51-Jährige ist immer noch ein sportlicher Typ. Er will die Armut bekämpfen, doch sein Wahlprogramm ist eher schmalbrüstig, sagt unser Korrespondent Jens Borchert.

Politisches Konzept überzeugt nicht

Auch der Gegenkandidat George Weahs, der amtierende Vizepräsident Joseph Boakai, will die Armut bekämpfen. Dafür will er auch die Infrastruktur im Land aufbauen und zum Beispiel Straßen ausbauen. 70 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, können aber ihre Produkte während der Regenzeit kaum zu den Märkten transportieren.

Weiter steht auf George Weahs Programm die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Bewahrung des Friedens und der Einheit des Landes.

"Das sind alles sehr wolkige Versprechungen. Konkrete Konzepte, wie George Weah das alles machen will in einem bettelarmen Land, habe ich allerdings noch nicht von ihm gehört."
Jens Borchers, Korrespondent für Nord- und Westafrika

Liberia versank von 1989 bis 2003 in einem blutigen Bürgerkrieg, der einer Viertelmillion Menschen das Leben gekostet hat. Noch immer wirken die Folgen davon in dem Land nach. 2014 bis 2016 schwächte die Ebola-Krise das Land aufs Neue.

"Dem Land ist es noch nicht gelungen eine wirtschaftliche Perspektive für sich zu finden, die über Landwirtschaft und die Ausbeutung von Rohstoffen wie Eisenerz und Kautschuk hinaus gehen würde. Das wäre die Aufgabe, die ein künftiger Präsident zu lösen hat."
Jens Borchers, Korrespondent für Nord- und Westafrika

Noch immer geht die Angst um, dass die Warlords wieder an Macht gewinnen könnten. Schillernde Figur aus der Bürgerkriegszeit ist Charles Taylor, der zum Internationalen Strafgerichtshof zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist.

Bemerkenswert ist, dass George Weah ein politisches Bündnis mit der Ex-Frau von Charles Taylor eingegangen ist. Obwohl das ein "Gschmäckle" hat, ist es ein taktisch wichtiges Bündnis für George Weah, weil Jewel Taylor einen wichtigen Flügel in der liberianischen Politik vertritt, erklärt Jens Borchers.

"Mein Eindruck ist, er ist ein Mann mit ehrlichen Absichten ohne allzu große politische Erfahrung internationaler Ebene. Ich fürchte, er ist ein Mann, der wenig Erfahrung hat in wirtschaftlichen Zusammenhängen."
Jens Borchers, Korrespondent für Nord- und Westafrika

Die amtliche Bekanntgabe des Wahlergebnisses folgt am 29. Dezember 2017.

Shownotes
Wahl in Liberia
Ex-Weltfußballer George Weah könnte Präsident werden
vom 27. Dezember 2017
Moderatorin: 
Sonja Meschkat
Gesprächspartner: 
Jens Borchers, Korrespondent für Nord- und Westafrika