Licht ist das A und O. Das gilt auch für unseren Arbeitsalltag. Forschende haben dazu herausgefunden, dass das klassische, neutralweiße Licht eines Büroraums uns auf Dauer nicht zu unserer besten Leistung verhelfen kann.

Das Forschungsteam, zusammengesetzt aus der Hochschule München, der Ludwigs-Maximilians-Universität München und der TU Chemnitz, hat mit Versuchen die Wirkung von unterschiedlichen Farbspektren von Licht auf unseren Körper und unsere kognitive Leistung erforscht. Die Farbspektren waren: bläulich kaltweißes Licht wie an einem hellen Morgen, neutralweißes Licht wie in den meisten Büros und rötlich warmweißes Licht wie am Abend.

Dabei fanden die Forschenden heraus, dass das neutralweiße Licht, das in den meisten Büroräumen leuchtet, für den Körper der Probanden am anstrengendsten war. Ihre Ergebnisse haben sie im Magazin Plos One veröffentlicht.

Bisher war in der Forschung beispielsweise bekannt, dass blaues Licht uns besonders schnell wach und aktiv macht. Was bei der Lichtwirkungsforschung deutlich schwerer erforscht werden kann, ist die Frage: Was genau passiert im Innern unseres Körpers und welche Teilsysteme werden wie beeinflusst, wenn wir mit einem bestimmten Licht arbeiten?

Untersuchung des Sympathikus

Deshalb ging es in der Studie um ein bestimmtes Teilsystem des Körpers, nämlich den Sympathikus. Er ist Teil unseres Nervensystems und zuständig für den Kampf- und Fluchtreflex. Der Sympathikus kann unseren Körper innerhalb von Sekunden leistungsbereit machen und ihn auf mögliche Belastungen vorbereiten. Dafür steigert er zum Beispiel unwillkürlich unsere Herztätigkeit, wenn es anstrengend werden könnte, damit wir mehr Energie zur Verfügung haben, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff.

Im Umkehrschluss bedeutet das auch: Wenn man bei einer Person die Herztätigkeit misst, kann man an ihr erkennen, wie anstrengend die gerade erbrachte Leistung für die Person ist. Anhand der Herztätigkeit konnten die Forschenden also ableiten, wie anstrengend eine bestimmte Arbeit bei einem bestimmten Licht ist.

Gedächtnis- und Reaktionstests

Dafür haben sie die Probanden nacheinander in einen typisch aufgebauten Büroraum Platz nehmen lassen. Es gab weiße Wände und Tische, die Licht reflektieren und an der Decke hingen flächige LED-Beleuchtungselemente. Licht durch die Fenster gab es allerdings keines, um den Versuchsaufbau nicht zu stören.

Danach wurden die drei unterschiedlichen Lichtspektren durchgespielt, während die Probanden an einem Laptop anstrengende Gedächtnis- und Reaktionstests durchführen sollten. Visuell waren die Übungen bei allen drei Einstellungen gleich gut zu erkennen.

Unbewusste Reaktion des Körpers

Das Ergebnis: Die helle Morgenbeleuchtung löste im Körper am wenigsten erhöhte Herztätigkeit aus, der Körper empfand die Arbeit also unter diesen Lichtbedingungen am wenigsten anstrengend. Die Denkarbeit unter neutralweißem Licht wurde dagegen vom Körper als am anstrengendsten wahrgenommen. Rund 2 Prozent mehr Energie musste der Körper hier aufwenden.

"Der Körper hat den Test bei der Morgen-Beleuchtung als am wenigsten schwierig eingeschätzt und bei der Standard-Beleuchtung als am schwierigsten, also da die meiste Energie verbraucht."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Probanden selbst haben keinen Unterschied gespürt. Sie haben angegeben, dass sie den Test in allen drei Licht-Situationen gleich schwer wahrgenommen hatten, berichtet der Studienautor Johannes Zauner. Die erhöhte Herzfrequenz war also eine unbewusste Reaktion des Körpers, um mehr Energie bereitzustellen.

Anpassen an die Tageszeit

Auch wenn 2 Prozent zunächst nach wenig Unterschied klingen, sagt Johannes Zauner, dass neutralweißes Licht als Standartbeleuchtung über Jahre hinweg zum Problem werden kann. Für ihn ist die Abwechslung zwischen den Lichteinstellungen der Weg, um die maximale Leistung abzurufen.

"Für viele Stunden am Tage viele Jahre hinweg im Arbeitsleben ist das nicht die richtige Herangehensweise, sondern da braucht man durchaus Abwechslung, um dann maximal gut sein zu können."
Johannes Zauner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule München

Er empfiehlt deshalb für das Homeoffice oder das Büro, LED-Lampen, die dimmbar sind und die Farbtemperatur ändern können. So kann man sich je nach Tageszeit an dem natürlichen Licht orientieren. Ein intensives Kaltweiß heißt auch "tunable dim" und ein Warmweiß für die Abendstunden wird "warm dim" genannt. Dafür braucht es allerdings eine Art Steuerung oder unterschiedliche Lichtschalter.

Alternativ kann man auch mehrere Lampen kombinieren. Eine Mischung aus einer kaltweißen Deckenlampe und einer warmweißen Stehlampe wäre beispielsweise eine Möglichkeit. Bei Smartphones und Monitoren gibt es bereits oft die Tages- und Nachtmodi. Für Computer gibt es auch Programme wie f.lux, die die Lichtfarbe des Bildschirms automatisch an die Tageszeit anpassen.