An vielen Orten der Erde wird es nicht mehr dunkel, auch nicht nachts. Das zeigt eine aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Ecology erschienen ist. Die Forschenden plädieren daher, künstliches Licht als Schadstoff zu betrachten. Sie begründen das mit der negativen Auswirkung auf Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen.

Ein Problem mit künstlichem Licht haben nicht gerade wenige Lebewesen: Mehr als 30 Prozent der Wirbeltiere und mehr als 60 Prozent der wirbellosen Tiere, also auch Insekten, sind nachtaktiv, erklärt Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie. Das heißt, sie haben extrem empfindliche Schwachlichtsensoren. Die Folge: Nachts fühlen sie sich vom künstliches Licht extrem gestört.

Das klassische Beispiel für diese Lichtverschmutzung: Alle künstlichen Lichtquellen zusammen tragen zum Lichtkegel bei, der sich über Städten bildet.

"Künstliches Licht bringt den Tag-Nacht-Rhythmus vieler Lebewesen durcheinander."
Franz Hölker, Leibniz-Institut für Gewässerökologie, forscht über Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf Ökosysteme

Nachtaktive Lebewesen werden aber noch auf eine andere Wiese irritiert, zum Beispiel durch Straßenlaternen. In der Wissenschaft nennt sich das Staubsaugereffekt: Insekten wie Nachtfalter und Motten fühlen sich von dem Licht so sehr angezogen, dass sie ihren eigentlichen, dunklen Lebensraum verlassen, ins Licht fliegen und dadurch viel leichter Beute für andere Tiere werden.

Neben den berüchtigten Straßenlaternen gibt es auch andere Lichtquellen, die den Tieren zu schaffen machen: Gebäude, die nachts angestrahlt werden, sehen zwar schön aus, die Nachtaktiven macht das aber eher kirre. Genauso ist es mit Autoscheinwerfern und am Ende trägt auch das Licht in unseren Wohnungen seinen Teil bei.

Licht reduzieren gegen Lichtverschmutzung

Gegen all das hilft nur eines: Licht aus oder, was realistischer ist, Licht reduzieren. Im Kleinen und Großen. Dirk Sanders, der die aktuelle Studie mitveröffentlicht hat, weiß, dass Fähren dazu übergehen, ihre Fenster bei Nachtfahrten zu verdunkeln, weil sonst Seevögel dagegen fliegen und oft sterben.

Neuseeland: Licht aus für Seevögel

In dem kleinen Ort Punakaiki in Neuseeland haben lokale Vogelschutzorganisationen erreicht, dass erstmals die Straßenlaternen auf einem Highway zwei Monate lang ausbleiben. Grund ist, dass junge Westlandsturmvögel dort ihre Flugversuche machen, von dem grellen Laternenlicht aber dermaßen irritiert werden, dass viele von ihnen zu Boden stürzen.

Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova
"Die abgestürzten Vögel sind entweder leichte Beute für Raubtiere, werden überfahren oder verhungern, weil sie vom flachen Land nicht gut abheben können."

Laut Sanders gibt es auch die Idee, Städte zu verpflichten, ihre Lichtquellen zu begrenzen. Denn würde nur Orte beleuchtet werden, an denen nachts Licht nötig ist. Und auf gar keinen Fall sollten Gebäude, Brücken und Ähnliches von der Seite oder von unten nach oben beleuchtet werden, da das zu einem erhöhten Himmelsleuchten führe.

Ruhephasen brauchen alle – Mensch, Motte und Maus

Auch wenn es eher nach einem Tropfen auf dem heißen Stein klingt, Gewässerökologe Franz Hölker ist überzeugt, dass man auch selbst einen Beitrag dazu leisten kann. LEDs etwa sind energiesparender, aber sie ähneln dem Tageslicht, das die Nachtaktiven eben nicht vertragen. Der Trick lautet einfach, es sich ein bisschen gemütlich bis romantisch zu machen. Also, Licht dimmen und die eine oder andere Kerze anmachen. So leuchtet es weniger nach draußen.

Gute Nebenwirkung: Das Schlafhormon Melatonin kann von Körper leichter produziert werden. Das verschafft Tieren, die nachts ruhen, einen besseren Schlaf und uns Menschen nebenbei auch.